»Den hat mein Kind nie besessen!« stieß die Frau aus. »Kommt mit mir!« flehte sie gleich darauf wieder.

»Ich habe alles verziehen, sagt ihr das …«

»Möchtet Ihr einem Todkranken nicht das Sterben erleichtern?« stammelte die Frau schluchzend und die Hände ringend. »Es ist ja mein Kind, mein einziges Kind, zu dem Ihr kommen sollt!«

Da schrie Sonnhild gequält auf:

»Ich, die ich vor Kummer vergehe, soll trösten? Frau! Wer hat denn für mich Trost in meinem entsetzlichen Weh?«

»Meine Tochter wird Euer tröstender Engel sein …«

»Eure sterbende Tochter? Welchen Anteil sollte sie an meinem Schicksal nehmen und an dem meines Vaters?«

Die Frau hatte die Augen niedergeschlagen; ihr Gesicht war wie von Stein. Plötzlich sah Sonnhild, wie die Fremde dicht an sie herantrat, und vernahm ihre leise, tonlose Stimme. Ein Schwindel überfiel das Mädchen. Sie taumelte gegen die Wand und griff mit den Händen in die Luft, um Halt zu finden. Die Frau aber wich ein paar Schritte zurück, dann war auch ihre Kraft zu Ende. Vom Schmerz überwältigt, lehnte sie die Wange an die Tür und blieb in zusammengesunkener Haltung stehen.

Endlich raffte sie sich wieder auf und strich die rabenschwarzen Haare von den Schläfen zurück. Schon war sie im Begriff, das Zimmer zu verlassen, als sie, ohne sich umzusehen, noch einmal fragte: