»Sonnhild – habe Dank!«

Nun erblickte sie auch die Rosen und sog deren starken Duft mit tiefen Zügen ein. Sonnhilds Brust schnürte die Wehmut zusammen, als sie die dunkelroten Blumen neben dem bleichen Gesicht sah.

Auch heute fiel der Kranken das Sprechen schwer. Aber Sonnhild bemerkte, wie glücklich ihre Gegenwart sie machte. Die beiden Mädchen sahen sich wie gestern wortlos in die Augen. Alles, was ihre Lippen hätten sagen mögen, sprachen ihre Blicke, die in unendlicher Liebe ineinander ruhten.

»Kannst du mir wirklich verzeihen?« flüsterte die Kranke.

»Liebe Schwester,« tröstete sie Sonnhild. »Sprich nicht also! Alles, was hinter uns liegt, wollen wir vergessen. Wir haben uns gefunden, um uns zu lieben.«

Der Schauer eines unfaßbaren Glücks überlief Mirjam. Die ganze Lebenskraft der Heimgehenden schien sich in ihren Augen zu vereinigen, die in unnatürlichem Glanze strahlten.

Da beugte sich Sonnhild herab und fragte mit tiefem Ernst:

»Mirjam, ein schweres Verhängnis hat es gefügt, daß du des Vaters entbehren mußtest. Zürnst du ihm dafür?«

Wieder lief eine feine Röte über das bleiche Gesicht der Kranken, und sie flüsterte:

»Ich bete allstündlich für meinen unglücklichen Vater.«