Man fragt sich, wo diese lichtscheuen Elemente in ruhigen Zeiten ihre Schlupfwinkel haben, – inmitten eines erregten Volkshaufens blüht ihr Weizen, und sie sind wie aus der Erde gestampft da. Sie laufen Sturm wider Gesetz und Ordnung, wiegeln die Friedfertigen auf und sitzen mit dem Aufruhr zu Tische. Ihr Handwerk ist um so gefährlicher, als sie es am liebsten heimlich betreiben. Droht ihnen Gefahr, so ducken sie sich. Und greift der eiserne Arm des Gesetzes ein, dann sind sie wie weggeblasen und überlassen den bürgerlichen Mitschreier seinem Schicksal. – Parasiten!

Vor der Fronfeste, wo gleichfalls Pechpfannen brannten, gab es wüste Auftritte. Stimmen wurden laut, die die gewaltsame Befreiung des Gefangenen forderten. Und gegen die am Eingang stehenden bewaffneten Burgknechte fielen wilde Drohungen. Ein Haufe von Schreienden und Betrunkenen zog durch die Gassen, den Tumult steigernd.

Als auf dem Marktplatz der Bau des Gerüstes beendet war, hatte sich ein Mann darauf geschwungen, der mit einer zündenden Rede das Volk aufforderte, den durch den Herzog abgeschlagenen Gnadenakt selbst zu vollziehen. Es war der Bruder Antonius. Seine Beredsamkeit stachelte das Volk auf, daß es seinen Worten Beifall schrie. Aber die Besonnenen unter der Menge schritten ein, verwiesen dem Mönch seine Rede und beschwichtigten die Aufgeregten.

Die Bürger, die die Nachtwache hatten, gingen umher, ermahnten das Volk zur Ruhe und versuchten, es zum Heimkehren zu bewegen. Aber diese Zirkler sahen bald ein, daß sie heute machtlos waren. Die Aufregung war zu groß, und es waren ihrer zu viel, die in den Gassen tobten.

Dazu gab es selbst Bürger, die die wachsende Leidenschaft insgeheim anstachelten. Der alte Anesorge lief durch die Menge und reizte sie auf. Die ungeheure Spannung und das vergebliche Harren auf die noch immer erwartete Begnadigung hatten ihm fast den Verstand geraubt.

Während nun auf den Gassen der drohende Aufruhr sein schauerliches Lied sang, war es in der Zelle des Gefangenen der Fronfeste still. Der Lärm drang nicht durch die dicken Mauern und starken, eichenen Fensterladen. Der Raum war schmal. Ein Tisch, ein Stuhl und ein eisernes Bett bildeten seine dürftige Ausstattung.

Georg Waltklinger lehnte mit dem Rücken gegen den Tisch. Sein Haar war in Unordnung, das Gesicht bleich. Vor ihm stand der weißhaarige Edelbeck, der Hüter der Fronfeste. Er war soeben eingetreten, hatte die Tür sorgsam hinter sich geschlossen, die brennende Laterne niedergestellt und den großen Schlüsselring dazugelegt.

»Nein, Herr Burgemeister,« versetzte der Alte, »nun kann ich's nimmer mit ansehen. Euer Unglück zerbricht mir das Herz.«

Waltklinger seufzte und machte eine Handbewegung, die sagen wollte: mir ist nicht zu helfen.