»Wen soll es jetzt so dringlich nach einer Unterredung mit mir verlangen? Es ist doch nicht meine Tochter? Ich möchte ihr den Schmerz meines Anblicks ersparen …«

»Das Weib ist verhüllt, aber Eure Tochter ist es nicht.«

Waltklinger schwankte einen Augenblick.

»Laß sie kommen,« sagte er alsdann.

Der Alte ging. Eine kurze Weile verstrich. Da hörte Waltklinger ein leises Geräusch, und wie er sich umwandte, sah er auf der Schwelle eine Frau stehen. Ihr Kopftuch war herabgeglitten. Aber das Licht der Laterne brannte so trübe, daß er die Züge der Eintretenden nicht erkennen konnte. Waltklinger erhob sich und tat ein paar Schritte nach der Tür. Plötzlich blieb er überrascht stehen. Die Frau ging zu dem Bett und setzte sich erschöpft darauf.

»Ja, Georg, ich bin es,« sagte sie unter raschen Atemzügen. »Unser Kind ist gestorben.«

»Lea,« schrie der Mann auf, »Mirjam ist tot – – –?«

Die Frau nickte mit dem Kopf.

»Sie ist tot,« wiederholte sie.

Georg Waltklinger sank auf den Stuhl nieder, stützte die Ellenbogen auf den Tisch und barg das Gesicht in beiden Händen. So saß er unbeweglich. Nur das fast unmerkliche Jucken seiner breiten Schultern verriet den großen Schmerz, der in ihm arbeitete.