»Herr,« versetzte er, »unten wartet ein Kapuziner, um Euch geistliche Stärkung zu bringen.«

»Ein Mönch?« fragte Waltklinger. »Er muß doch wissen, welchen Glaubens ich bin. Teile ihm mit, daß ich heute von einem Diener meiner Kirche bereits Tröstung empfangen hätte.«

»Das sagte ich dem Kuttenträger schon, aber er ließ sich nicht fortschicken.«

Waltklinger lächelte trübe.

»Er will mir eine vermeintliche Wohltat erweisen; dafür gebührt ihm Dank. Schick' ihn herauf.«

Mit diesen Worten erhob er sich vom Bett und ging mit großen Schritten auf und ab. Da trat der Mönch in die Zelle, die Kapuze auf dem Kopf. Er horchte noch einmal in den Gang hinaus. Aber es war nichts Verdächtiges zu hören, nur ein dumpfer, verworrener Lärm, der vom Frauenmarkt heraufdrang. Nun schloß er die Tür und wandte sich zu dem Gefangenen.

Rasch löste er den Knoten des hanfenen Strickes, der um seinen Leib geschlungen war, riß die Kutte herab und warf sie von sich. Ein hochgewachsener Jüngling von schlankem Körper, an dessen Seite ein gerader Degen hing, stand jetzt vor dem Erstaunten.

»Bernhard von Miltitz!« rief Waltklinger, »Ihr hier? Und was soll diese Verkleidung?«

»Es ist das drittemal, Herr Burgemeister, daß ich Euch unter die Augen trete. Heute werdet Ihr mich nicht von Euch weisen.«

Und des Jünglings Atem flog, als er hinzusetzte: