»Ich bringe Euch Befreiung! Schlüpft in diese Kutte und begebt Euch von hinnen. Keiner der Burgknechte wird argwöhnen, daß dieses Ordenskleid seinen Träger gewechselt hat. In den Gassen tobt eine aufgeregte Menge; es kann Euch nicht schwer werden, im Gewühl unerkannt zu entkommen. Der Wächter des Jüdentores ist bestochen, er wird öffnen. Am Einfluß der Triebisch in den Strom liegt ein Boot; der vertraute Fährmann rudert Euch über die Elbe. Drüben wartet Georg von Komerstadt Eurer. Von da mögt Ihr auf windschnellem Rosse über Königsbrück in das böhmische Land entkommen. Eilt, daß keine kostbare Minute verrinne!«

Georg Waltklinger war starr vor Überraschung. Endlich fragte er:

»Was bewegt Euch dazu, Junker, mich aus meinem Gefängnis zu befreien?«

»Die Liebe zu Eurer Tochter,« rief dieser. »Unsere Herzen sind unlösbar verbunden. Ich habe heute mit Sonnhild von Eurer Rettung gesprochen, ohne ihr meinen Plan zu verraten. Aber sputet Euch!«

»Und wenn ich Euer Anerbieten annähme, was würde dann aus Euch

»Ich bleibe an Eurer Stelle im Turm!«

»Ist es Euch bekannt, daß Gefangenenbefreiung mit schwerer Freiheitsstrafe gesühnt wird, die auch Euer Vater von Euch nicht abwenden könnte?«

»Ich weiß es. Doch unterlaßt alle Worte und nehmt das Kleid,« drängte der Jüngling in fiebernder Hast.

»Bernhard von Miltitz, Ihr seid ein edelmütiger Jüngling, und ich schulde Euch großen Dank. Euer Plan ist verlockend, und seine Ausführung würde wohl glücken. Aber ich muß Eure Hilfe ausschlagen.«

»Ausschlagen? Was ficht Euch an, Herr Burgemeister?«