Jetzt riß der Jüngling in schäumendem Zorn den Degen in die Höhe, als Caspar von Carlowitz, der Schloßhauptmann, der mit Bernhard erst heute von der Reise zurückgekehrt war, mit dem blanken Schwert in der Faust atemlos in die Zelle trat.

»Kein Blut fließe!« befahl er. »Bernhard, den Degen weg!«

Aber die maßlose Erregung des Junkers war damit nicht zu beschwichtigen. Er sah in dem plötzlich Erschienenen nur einen neuen Feind. Und er drang auf die beiden Knechte ein, die das Untergewehr gegen ihn gezogen hatten. Da stieß Caspar von Carlowitz sein Schwert in die Scheide, kreuzte die Arme über der Brust und rief:

»Sinnloser Knabe! Wenn du Blut vergießen mußt, so wähl' das meinige!«

Diese Worte schlugen in die Seele des Ergrimmten. Der zum Streich ausgeholte Arm sank schlaff herab. Ein Zittern überlief die schlanke Gestalt, und der Degen entglitt der Faust und fiel klirrend zu Boden. Und dann sank der Jüngling mit lautem Aufschluchzen an die Brust des väterlichen Freundes.


Unterdessen war der Lärm und die Bewegung in den Gassen zu solcher Höhe angewachsen, daß Peter Sorgenfrei, um einen etwa ausbrechenden Aufruhr niederzuhalten, drei Fähnlein der Bürgerwehr aufgeboten hatte.

Das erste war unter seinem Viertelsmeister, den die schwarz-gelbe Binde kenntlich machte, in Reih und Glied vor dem Rathaus aufmarschiert. Das Fähnlein des zweiten Bezirks war vom Jahrmarkt her im Sturmschritt auf den Frauenmarkt gerückt, und der dritte Haufe zog unter Trommelschlag durch die Jüdengasse ebenfalls vor die Fronfeste.

Hier hatte sich die Verwirrung aufs höchste gesteigert. Der Schloßhauptmann war mit einer Wachtverstärkung angekommen, was einen Unsinnigen veranlaßt hatte, das Gerücht auszusprengen, dem Burgemeister solle ein Leids zugefügt werden. Dem alten Anesorge wiederum war der Gedanke aufgestiegen, die Menge trunken zu machen, daß sie geneigt werde, eine Gewalttat zu begehen. Zu diesem Zweck hatte er neben der Frauenkirche einige Oxhoft Wein aufstellen lassen, der in tönernen Krügen herumgereicht wurde. Er selbst fuhr durch das Gewühl und feuerte die ärgsten Schreier an, die Fronfeste zu stürmen und den Burgemeister zu befreien.