»Torwart, hallo, – Tor auf!«

Der Torwart sprang hinzu, riß die schweren Torflügel auseinander, und Caspar von Carlowitz ritt hindurch. Donnernd schlugen die Pferdehufe den Triebischsteg. Und dann sprengte er den Plossenberg hinan, – die Straße nach Siebeneichen.


Nachdem Peter Sorgenfrei das zitternde Mädchen aus der Menge geführt, ließ er sie allein und eilte zum Turm zurück. Da bemerkte Sonnhild an der Kirchhofsmauer einige Männer, die einen auf der Erde Liegenden umstanden.

Das Mädchen ging zu der Gruppe; sie wußte, daß dort ihr heldenmütiger Retter lag. Als sie sich zu ihm hinabbeugte, erkannte sie ihn. Es war der junge Spielmann. Der Stoß des Knechts auf seine Brust war so stark gewesen, daß er den Körper durchbohrt hatte. Die Fiedel, die der Bursche auf dem Rücken getragen, lag neben ihm. Des Spießes Spitze hatte sie zertrümmert.

Sonnhild kniete mit zusammengepreßten Lippen zur Seite des Spielmanns nieder. Die glanzlosen Augen des Verscheidenden leuchteten auf, als er das Mädchen erkannte.

»Jungfrau,« flüsterte er in hohem Glücksgefühl, »welch schöner Tod!«

Sonnhild drängte das furchtbare Weh zurück, das ihr die Brust zerriß.

»Edler Jüngling,« sprach sie erschüttert, »wie soll ich's Euch danken, was Ihr für mich getan!«