Aber der Spielmann wehrte ihren Worten.
»Sprecht nicht also. Das Bewußtsein, Euch gedient zu haben, ist mir Danks genug.«
»Ihr habt mein armseliges Leben um eine kurze Spanne verlängert, indem Ihr Euer junges Leben als Einsatz gabt. Unerträglicher Gram hat mein Herz gebrochen; wie lange noch, und es steht still. Ihr hättet Euch nicht aufopfern sollen.«
Da lächelte der Spielmann beglückt.
»Ihr werdet noch ungezählte Tage erleben, und die Sonne wird freundlich auf Euern Weg fallen. Was liegt an mir?«
Ein hellroter Blutstrahl brach aus seinem Munde und machte ihn verstummen. Große Schwäche kam über ihn. Er fühlte, es war sein Letztes. Mit äußerster Kraft widerstand er noch einmal dem Ruf aus dem Jenseits und stammelte:
»Jungfrau, ich mußte von hinnen, weil ich Euch liebte – er mag mir's verzeihen. Das Leben hätte mich bedrückt, aber der Tod für Euch beseligt mich! Grüßt mir den edlen Junker; – ihm – und – Euch – meine – – Segens – wün – sche – – –«
Mit diesen Worten starb der Spielmann. Sonnhild sah sein Auge brechen, nachdem es ihr noch einmal gelächelt. Da deckten die Männer einen Mantel auf ihn und trugen ihn fort. Nun war Sonnhild allein. Der Mond schien hell und ließ alle Gegenstände deutlich erkennen.
Ohne zu wissen wohin, lief Sonnhild fort von dieser Stelle, bis sie vor einer Mauer stand. Jetzt sah sie sich um. Sie befand sich auf dem Friedhof der Franziskaner, und dicht vor ihr war das Beinhaus.
Eine Weile lang versuchte das Mädchen, alle Kraft zusammenzunehmen, daß sie der übermächtigen Schwächeanwandlung, die sie fühlte, nicht erliege. Dann brach sie in die Knie, lehnte die Wange an die Mauer des Beinhauses und schrie auf vor Schmerz.