Dreiundzwanzigstes Kapitel
Der Ritt nach Dresden
Frau Magdalena von Miltitz saß beim Schein der Lampe im Familienzimmer des Schlosses Siebeneichen. Sie war unbeschäftigt, und ihr Blick hing nachdenklich an dem offenen Fenster. Leise Unruhe quälte sie.
Sie ging zum Fenster und lehnte sich hinaus. Es war ein prächtiger Herbstabend. Die Mondscheibe hing scharf umzeichnet am Himmel, und das silberne Licht umwob schmeichelnd die Zweige und Blätter der Bäume. In der Tiefe glitzerte das breite Band des Elbstroms. Fledermäuse huschten vorbei, und von Zeit zu Zeit erklang der Ruf eines Kauzes.
Jetzt vernahm Frau Magdalena Pferdegetrappel. Eilends verließ sie das Zimmer und begab sich auf die nach dem Schloßhof gelegene Veranda. Da trabte auch schon ein Reiter durch das Tor. Sie erkannte Caspar von Carlowitz und rief ihn an.
»Base,« hörte sie seine Stimme im Näherkommen, »wie ist das Befinden deines Mannes? Kann ich ihn sogleich sprechen?«
Damit hielt er vor der Veranda. Frau Magdalena sah in sein mondbeschienenes Gesicht; es war tiefernst, wie sie es noch nie gesehen.