»Du triffst Ernst nicht zu Hause,« antwortete sie. »Kaum war er heute zum Bewußtsein zurückgekehrt, so erkundigte er sich nach dem Schicksal Waltklingers. Als er die Strafe erfuhr, war er aufs tiefste betroffen. Während des ganzen Nachmittags stand er unter dem Eindruck dieser Nachricht. Mit einem Male erklärte er, daß er zum Herzog fahren und um Milderung der Strafe bitten wolle. Die Tat sei in der heftigsten Gemütserregung geschehen, Waltklinger wäre als Mensch und Burgemeister hochachtbar, und was er ähnliches mehr sprach. Und da Bernhard die Nachricht aus Dresden mitbrachte, Herzog Heinrich werde noch heute nach Prag reisen und als Liebhaber nächtlicher Fahrten gegen Mitternacht aufbrechen, ließ Ernst alsbald anspannen und fuhr davon. Sein Zustand war recht gut; dennoch bange ich um ihn. Doch mochte ich ihn nicht von der Fürbitte zurückhalten.«

Frau Magdalena schwieg. Während ihrer Rede war der Vogt aus dem Pferdestall auf den Hof getreten.

»Ich muß gleichfalls zum Herzog,« stieß der Schloßhauptmann aus. »Welche Stunde ist es, Vogt?«

»Fast elf,« antwortete dieser.

»Vetter Carlowitz,« sagte Frau Magdalena, »dein Gebaren ist ein wenig seltsam. Du ängstigst mich. Was bewegt dich zu dem nächtlichen Ritt? Sag' es mir.«

»Nichts, nichts, Base,« beschwichtigte dieser erregt. »Vogt, ziehe sofort das schnellste Pferd aus deinem Stalle! In zwei Minuten muß ich reiten.«

Der Vogt verschwand in großer Eile.

»Soll dich nicht wenigstens Bernhard begleiten?« drang Frau Magdalena in den Schloßhauptmann.