Da fuhr er schon im Sprechen fort. Aber jetzt kam der Redefluß leicht von seinen Lippen:

»Ein vornehmes Fräulein, lieblich, zierlich und anmutig zugleich. Keine, die ich je sah, glich ihr! Ihr Antlitz ist süß, wie das der heiligen Maria, und ihre Gestalt zart, wie die eines jungen Rehs. Und ihr Fuß, ihr kleiner, schmaler Fuß, liebe Mutter, ist so gewölbt, daß sich ein Vöglein darunter verstecken könnte …« Hier brach die Schilderung jäh ab, und eine dunkle Röte bedeckte das Gesicht des Sprechers.

Frau Magdalena war vor Überraschung sprachlos. War das ihr Sohn Bernhard, der jungfräuliche Reize so beredt schildern konnte? Ihr Jüngster von dem sie wußte, daß er es wohl verstand, Frauen ritterlich zu dienen, dessen junges Herz aber, wie sie wähnte, von kühler Gelassenheit beherrscht wurde?

»Du verstehst dich ja meisterlich darauf,« versetzte sie endlich, »die Schönheit junger Fräulein zu rühmen! Aber sag' mir doch vorerst, wer ist denn dieses Mädchen?«

Bernhard war an eines der hohen Erkerfenster getreten und sah, scheinbar gefesselt von dem Fernblick, hinaus. Er kämpfte sichtlich mit einer leichten Verlegenheit. Deshalb wandte er sich auch nicht um, als er antwortete:

»Sie ist ein Meißner Bürgerkind, Mutter.«

»Ich dachte es schon,« versetzte diese. »O ja,« fuhr sie nach kurzem Schweigen fort, »die Bürgersleute von Meißen sind sehr achtbar, und sie werden ihr Kind sicherlich ebenso vortrefflich erzogen haben, wie du es anmutig findest. Der Stolz der Bürger, solange er nicht zur Hoffart wird, ist wohlbegründet in ihrer Tüchtigkeit. Aber sieh, Bernhard, wir gehören nun einmal nicht zu ihnen, und sie mögen uns auch gar nicht zu den ihrigen zählen. Wie heute die Verhältnisse liegen, sollen Adel und Bürgertum hübsch voneinander bleiben. Und, lieber Sohn, der Frieden im Herzen einer Jungfrau ist sehr bald gestört. Hüte dich davor! Was du als ritterliche Aufmerksamkeit betrachtest, wird leicht anders gedeutet. Ein gesittetes Bürgermädchen aber mit schönen Worten zu betören, danach, mein lieber Bernhard, wird es dich nicht verlangen.«

Der Jüngling wandte sich hastig um.

»Nimmermehr!« rief er. »Ich bin ein Miltitz und werde immer nur das tun, was mein Gewissen gutheißt. Dürfte aber die Kluft zwischen Bürger und Adel ein Hindernis für die Vereinigung zweier Herzen sein? Verstieße solches, so man es verlangte, nicht gegen die göttlichen Gebote?«

Diesen mit edler Wärme gesprochenen Worten folgte tiefes Schweigen. Bis Bernhard in ruhigem Tone fortfuhr: