Hans Krebs verneigte sich ehrerbietig.

»Wein und Bier gleich gut! Heute stoße ich vom frischen Bräu den ersten Zapfen aus. Willst du probieren, Burgemeister?«

Dieser lachte.

»Nicht alsogleich,« versetzte er, »zum Dämmern erwarte mich, Weinmeister.«

Damit ging er weiter und sah auf das Stadtvieh, das heute verspätet durch den Hohlweg vor das Lommatzscher Tor getrieben wurde. Als Geißlbrecht, der Hirt, des Stadtgewaltigen ansichtig wurde, knickte er zusammen und zog demütig die Kappe. Aber der Burgemeister kannte die sonstige Verläßlichkeit des Weißkopfs. Deshalb ging das Ungewitter noch einmal an ihm vorbei.

Den Baderberg hinab, an der Laurentiuskapelle und dem danebenstehenden Hospital vorüberschreitend, betrat Georg Waltklinger nun den Jahrmarkt, auf dessen Mitte das Gewandhaus stand. Hier befanden sich die großen Herbergen der Stadt: die Sonne, der Stern und der Goldene Ring. Und da es just Sonnabend war, herrschte überall geschäftiges Leben.

Auch sah man da und dort einen Neugierigen, welcher vom Lande zum erstenmal in die Stadt gekommen war. Der staunte natürlich gewaltig! Gewiß hatte er schon den großen Eindruck schildern hören, den man beim Betreten Meißens bekomme. Dennoch sah er alles an wie Wunderdinge und fühlte tief den Zauber des Geldes. Dabei entging ihm doch noch das Sehenswerteste, das ja in den dunkeln Stuben und Gewölben der reichen Bürger in eisernen Truhen fest verschlossen gehalten wurde. Schaufenster, in denen die Gewürzzehntner und Handwerker ihre Waren hätten auslegen können, gab es damals freilich noch nicht. Nur der Goldschmied stellte bisweilen kleine Becherlein oder Ketten hinter die grünen Fensterrauten der Werkstatt. Aber mit Vorsicht und unter Bewachung, damit nicht ein fremder Strolch schleunig mit der Beute entlaufe.

Auf der Elbgasse war der Verkehr am stärksten. Vor dem herannahenden Burgemeister und den Stadtknechten wich alles respektvoll zurück, und selbst die Häupter der angesehensten Bürgerfamilien entblößten sich tief. Der freie Bürger wußte, daß er in seiner hohen Achtung vor dem Stadtoberhaupte sich selbst ehrte.

Auf dem ersten Pfeiler der hölzernen Elbbrücke blieb Georg Waltklinger stehen und warf einen kurzen Blick auf die zahlreichen Fischerboote, die großen böhmischen Kähne, die hier ausgeladen wurden, und die arbeitenden Schiffsmühlen. Dann ging er durch das Elbtor den Weg bis zum Naschmarkt zurück. Vor dem Goldenen Löwen stand eine Anzahl Pferde zum Verkauf, um die laut gefeilscht wurde.