Zurücktretend wandte er sich ab und ging langsam dahin. Wohl merkte er, wie der Sturm in seinem Innern noch tobte, aber er zwang sich zur Ruhe. Da erschien vor seiner Seele das leuchtende Bild Sonnhilds, und er sah ihre unschuldvollen Augen. In demselben Augenblick fiel alle Schwäche von ihm ab, und die kühle Besonnenheit stellte sich wieder ein.
Hinter sich hörte er die schleichenden Tritte des enttäuschten Mädchens, das zu früh frohlockt hatte. Schnell trat er den Heimweg an, damit die Versuchung weit hinter ihm bleibe.
Achtes Kapitel
Zwei bewegte Unterredungen
Der Abend dieses Tages war hereingebrochen. Mit dem Dunkelwerden waren die Gassen Meißens verödet. Jetzt lagen sie in tiefer Ruhe. Im Sommer pflegten viele Einwohner sich zu dieser Stunde zur Ruhe zu begeben. Überdies war ja morgen Sonntag, an dem sich bei schönem Wetter das Leben auf den Gassen schon frühzeitig entfaltete. Nur hier und da brannte hinter den Fenstern noch Licht zu der letzten Verrichtung der emsig schaffenden Hausfrau.
Dieser geringe Lichtschimmer bildete die einzige Beleuchtung der Gassen. Wenn auch diese schwachen Flämmlein erstarben, war es dunkel in der Stadt. Wer also zu später Stunde noch außer dem Hause war und nicht das Glück hatte, daß ihm der Mond freundlich sein bleiches Licht spendete, der mußte aufs Geratewohl seinen Weg zurücklegen. War aber die Finsternis dem Auge undurchdringlich, dann trug wohl der nächtlich Wandelnde eine Laterne in der Hand. Nur die reichen Bürger ließen sich von einer Magd heimleuchten, und die Vornehmsten in den großen Städten wurden von Dienern begleitet, die Pechfackeln vorauftrugen.
Tiefe Ruhe herrschte in der Stadt. Nur in den Schenkstuben war es noch lebendig. An Gesprächstoff mangelte es in dieser bewegten Zeit natürlich nicht. Aber selbst in stillen Zeiten hat Frau Politik, diese liebenswürdige Dame, für jeden Stammtisch auf dem Erdenrund, an dem wackre deutsche Männer sitzen, wenigstens ein Quentchen interessanter Neuigkeit freundlicherweise immer übrig gehabt.