Sonnhild lehnte sich erschöpft an die Wand zurück; ihr Körper zitterte vor Aufregung.
»Verzeiht,« flüsterte der Jüngling zerknirscht, »daß ich Euch Angst bereitete. Ich bitte Euch tausendmal, mir zu verzeihen, edle Jungfrau …«
»Es ist nichts,« stammelte das Mädchen, sich sammelnd, »der Schrecken ist schon vorüber. Wie tollkühn Ihr doch seid! Wenn nun mein Vater zu Hause wäre!«
Bernhard erhob sich und betrachtete Sonnhilds verängstigtes Gesicht.
»Jungfrau,« sprach er, »wenn Ihr wüßtet, wie unsäglich ich in den letzten Tagen gelitten habe! Mir war ja so sehr bange um Euch!« Und der tiefe Ernst, der im Ton dieser Worte lag, bestätigte ihre Wahrheit.
»Auch mich, Junker, hat es nach dem Zusammensein mit Euch sehnlichst verlangt,« sagte das Mädchen blutrot und mit niedergeschlagenen Augen. »Und wie schwer ich es getragen habe, daß ich mein Versprechen nicht halten konnte! Ich durfte es nicht wagen, Euch zu begegnen. Mein Vater hat Verdacht geschöpft, oder ein mißgünstiger Aufpasser hat ihm etwas hinterbracht. Er bat mich, den Fuß so lange nicht vor die Stadtmauer zu setzen, bis er mir solches wieder erlaube. Und mein Vater ist ja so gut zu mir, Junker! Man sagt, er sei ein Eisenkopf. Aber wenn er mit mir spricht, ist er weich und liebevoll, wie eine Mutter zu ihrem kranken Kind. Junker, – ich durfte meinen Vater nicht betrügen!«
Bernhard sah Sonnhild voll Wärme an.
»Ihr tatet recht, Jungfrau,« sagte er leise, »Ihr dürft Eurem guten Vater nicht weh tun. Aber ich flehe Euch an, mir Eure Gegenwart noch einmal zu schenken. Von der Erinnerung an diese Stunde will ich dann so lange zehren, bis das Glück uns holder sein wird. Denn in meinem Herzen brennt eine Flamme, Jungfrau, die mich noch verzehrt!«
Sonnhild senkte den Kopf.