»Also für eine Fee hältst du mich?« hatte sie endlich ausgerufen. »Du bist ein possierlicher Gesell! Wie heißt denn du?«
»Bernhard,« hatte er geantwortet und schüchtern hinzugefügt: »Und du?«
»Sonnhild!« hatte sie stolz erwidert.
»Sonnhild?« war es ihm leise entfahren. »Wie könntest du auch anders heißen als Sonnhild!«
Da hatte sie wieder gekichert. Und es war ihm noch einmal gewesen, als ob von ihrem goldfarbenen Haar flimmernde Funken aufsprühten.
»Aber ich will heimkehren,« hatte sie gesagt, »geh' mit mir.«
Nach Kinderart sich an den Händen fassend, waren sie unter den Bäumen dahingeschlendert. Das schöne Mädchen an seiner Seite hatte unermüdlich geplaudert. Ihren strahlenden Augen war nichts verborgen geblieben, was am Wege lag. Bald zeigte sie ihm einen Durchblick zwischen den dichten Baumkronen, wo man am andern Ufer die rebenbedeckten Hügel sah, bald wies sie auf schöne Blumen und bunte Gräser, die inmitten des üppigen Mooses standen. Oder sie machte ihn verstohlen auf einen scheuen Vogel aufmerksam, der unhörbar von Zweig zu Zweig hüpfte.
So hatten sie endlich die Stadtmauer erreicht. Als sie durch das Lommatzscher Tor schritten, war hinter dem Fenster das Gesicht des steinalten Torwarts erschienen. Alsdann waren sie durch den tief eingeschnittenen Hohlweg zwischen dem Sankt Afrafelsen und dem mächtigen Burgberg zur Stadt hinabgegangen. Und als endlich die Burggasse hinter ihnen lag und sie über den Markt gingen, hatte das Mädchen gesagt:
»Nun bin ich zu Hause. Willst du mitkommen?«
Eine Weile war er vor dem hohen Haustor mit seinem reichen Holzschnitzwerk und den kunstvollen, schmiedeeisernen Beschlägen in Bewunderung stehengeblieben und hatte andächtig den Spruch gelesen, dessen verschnörkelte Buchstaben tief in den Stein gegraben waren. Dann hatte ihn das Mädchen an der Hand in den Hausflur gezogen.