Der Hausgang stellte eine geräumige, steinerne Halle dar mit hoher Decke, die, wie der Jüngling heute wußte, ein mächtiges Kreuzgewölbe bildete. Die starken Bogen, die dieses gliederten, ruhten seitlich auf herrlich gemeißelten steinernen Konsolen.
Nun hatte sie ihn über die Treppen und durch alle Gemächer des großen Hauses geführt.
Zuerst kamen sie in die Prunkstuben im ersten Stockwerk. Hier waren die Wände bis zur Decke hinauf mit Holzwerk getäfelt oder mit kostbaren Tapeten geschmückt. Mannsgroße venetianische Spiegel standen in den Ecken, feingewebte Vorhänge waren an den Fenstern aufgehängt, und prachtvolle Teppiche schmückten die Fußböden und Wände. Auf dem schweren Hausgerät, mit kunstvollem Schnitzwerk versehen, standen allerlei wunderliche Kuriositäten, wie Waffen und bemalte Geräte fremder Völker, ein ausgeblasenes Straußenei, polierte Muscheln, kunstvoll geschnitzte Kirschkerne, Töpfe mit Bildern versehen und marmorne Gliedmaßen, die in Italien ausgegraben sein sollten.
Des Mädchens flinke Zunge war nicht müde geworden, die Herkunft jedes Gegenstandes zu erklären.
Hier wieder standen Becher aus gemasertem Ahornholz, daneben feine Gläser oder Tongefäße und vielerlei Gerät von Sinn, das schon damals den Stolz der Hausfrau bildete. Dort waren schwere Weinkannen und breite Obstschalen, Teller, worein Figuren gegraben, hohe und vielarmige Tischleuchter, kunstvoll verzierte Trinkgefäße und Salzfäßlein. Und von der Decke der Stuben herab hingen messingne Lichthalter mit sechs oder acht Dillen.
Dies alles war geschickt und sinnig aufgestellt gewesen, nach dem alten Bedürfnis der deutschen Frauen, auch das Leblose gemütlich herzurichten.
Das Mädchen hatte des Jünglings wachsendes Erstaunen beobachtet und sich heimlich daran gefreut.
»Ist es bei dir zu Hause nicht ebenso?« hatte sie gefragt.