Bernhard nagte an der Unterlippe. Der Vater hatte recht, – von seinem Standpunkt aus. Aber er ahnte ja nicht, wie es in dem Herzen seines Sohnes aussah! Er betrachtete das als Spielerei, was ihm heiliges Empfinden war.

Da sollte es schon kommen. Ernst von Miltitz fuhr fort:

»Ich halte dich mit deinen achtzehn Jahren noch für zu jung, um schon eine Liebschaft anzuknüpfen. Gewiß könntest du sagen, daß du in Dresden bereits mancherlei gesehen hast, und daß junge Männer in deinem Alter es als Zeitvertreib betrachten, Jungfrauen heimlich den Hof zu machen. Aber das ist eine Unsitte! Sie verdirbt den Charakter, hält vom Studium der ernsten Pflichten ab, die uns auferlegt sind, und verdreht einem unschuldigen Mädchen den Kopf. Deine Erziehung, Bernhard, hat dich gelehrt, solches als ein freventliches Spiel zu unterlassen. Die Abkommen alter Familien müssen sich jederzeit der hohen Verpflichtung bewußt sein, die ihnen ihr Name auferlegt. Die hervorragende Stellung des Adels wird vom Bürgerstande genug angefeindet. Wenn wir noch dazu unsern Ruf der Makellosigkeit hingeben, dann haben unsere Widersacher recht, und wir verdienen es nicht, daß sich unsere Vorfahren durch die Jahrhunderte heiß bemühten, unserm Namen den hohen Klang zu bewahren. Nicht Stellung und Besitz – der Ruf, Bernhard, ist das höchste Gut des Mannes!«

Dem Jüngling waren die Worte aus der Seele gesprochen. Aber seine Empfindungen für Sonnhild waren ja ganz anderer Art, als der Vater glaubte. Und in diesem Augenblicke wurde sich Bernhard bewußt, daß seine Neigung zu dem Mädchen tiefe Liebe war. Der Lebensernst war frühzeitig in ihm wach geworden, er hatte ihn vom Vater geerbt. Und so jung er auch war, erkannte er doch unzweifelhaft die Echtheit seiner Leidenschaft.

»Vater,« erwiderte er jetzt, »es tut mir leid, wenn ich dich betrübt habe! Verzeihe mir. Du kennst mich als besonnen und weißt, daß mir gute Sitte und hohe Gesinnung unveräußerliche Güter sind. Während du zu mir sprachst, habe ich einen tiefen Blick in mein Inneres getan. Und ich weiß mich noch so rein, wie du mich immer befunden hast.«

Bernhard schöpfte tief Atem. Dann fügte er hinzu:

»Das Geschick ist gegen mich. Denn nicht nur, daß es mir seine Gunst zu dem, was ich begann, versagte, es zwingt mich auch, mit dem Bekennen meines Tuns, dich, lieber Vater, zu betrüben.«

Ernst von Miltitz hatte der Rede seines Sohnes beifällig zugehört. Bei den letzten Worten sah er gespannt auf.

»Die Tochter des Burgemeisters Waltklinger ist aufs sorgfältigste erzogen und eine Jungfrau von reinem und edlem Herzen. Ich liebe sie!«