Tiefe Stille herrschte in dem großen Zimmer. Ernst von Miltitz war von dem Geständnis seines Sohnes so überrascht worden, daß er eine Weile brauchte, ihm zu erwidern. Seine Stimme klang spöttisch, als er begann:

»Diese Rolle spielst du nicht gut, Bernhard! Gib sie auf! Denn was du da sprachst, waren die unbesonnenen Worte eines bis über die Ohren verschossenen Knaben. Aber man verliebt sich nicht in die Erstbeste.«

»Mein Vater,« erwiderte Bernhard bestimmt, »ich bin mir meines Handels völlig bewußt. Ich wiederhole, daß ich Sonnhild liebe!«

Aber Ernst von Miltitz lächelte frostig und schüttelte den Kopf.

»Zugegeben, daß es wahr wäre – im Grunde ist es aber nichts anderes als das Eintagsspiel unreifer Kinder –, und wenn es so wäre, sage ich, dann wüßtest du, was deine Pflicht ist.«

»Meine Pflicht kenne ich! Ich werde sie nie vergessen! Aber ihr Bereich endet hier vor meinem Herzen. Untugend zu begehren und Sittenlosem zu frönen, wäre meiner nicht würdig. Sonnhild aber ist eine Jungfrau von makellosem Ruf und reinem Gemüt, die als Gattin heimzuführen, sich kein Edelmann zu schämen brauchte!«

»Und vergißt du ganz, wer sie ist?« fragte Ernst von Miltitz mit niedergehaltenem Zorn.

»Nein,« versetzte Bernhard, »das vergaß ich nicht. Sie entstammt einer rechtschaffenen und sehr geachteten bürgerlichen Familie. Aber sollte mich dies hindern, dem Mädchen meine Liebe zu schenken? Nimmermehr! Denn welche Mutter aus adligem Geschlecht könnte feineren Adel in die Seele ihres Kindes pflanzen, als ihn Sonnhild besitzt! Wer sie kennt, wird mein Handeln verstehen; nur die herrschenden Anschauungen unserer Kreise sind gegen mich!«

Ernst von Miltitz stand vom Stuhl auf.

»Du bist noch zu jung, mein Sohn, um dich schon zu verlieben. Auch fehlt es dir noch am richtigen Empfinden, was man mit Rücksicht auf seinen Stand unterlassen muß. Meine väterliche Obrigkeit braucht aber mit dir hierüber nicht zu verhandeln. Ich habe mich umsonst an deinen Verstand gewandt, der ist dir verliebten Toren abhanden gekommen. Bernhard, ich untersage dir den Verkehr mit dem Mädchen! Du wirst sie vergessen!«