»Vater, – das vermag ich nicht zu versprechen.«

Bis jetzt hatte Frau Magdalena an sich gehalten. Nun rang sie die Hände ineinander, und ihre Blicke suchten die Augen des Sohnes. Bernhard sah es, aber er zuckte nur stumm mit den Achseln.

Ernst von Miltitz' Zorn wuchs durch den Widerstand. Der Jüngling hatte seinen Vater noch nie so erregt gesehen, und er ahnte einen heftigen Ausbruch, den er mit großer Beherrschung über sich ergehen lassen wollte.

»Du kannst mir dein Wort nicht geben?« rief Ernst von Miltitz mit zornbebender Stimme. »Einfältiger Knabe! Begreifst du nicht, daß es dich nach etwas ganz anderem verlangt, als nach dem Herzen des Mädchens?«

Bernhard schwieg. Er empfand heimliche Befriedigung darüber, daß er seine Beherrschung behielt. Der ihn so verletzte, war sein Vater! Von ihm durfte er keine Rechenschaft fordern!

»Und das Mädchen,« klang des Zürnenden Stimme wieder, »es wird nicht so töricht sein wie du. Darf sie nicht die Braut eines Miltitz werden, so kann sie doch seine Geliebte sein …«

»Vater!« schrie Bernhard in diesem Augenblick schneidend auf und flog auf den Sprecher zu. Ernst von Miltitz stand unbeweglich. Aber sein Blick ging nach den Degen, die ihm zur Seite an der waffengeschmückten Wand hingen.

So standen sich Vater und Sohn gegenüber. Ernst von Miltitz mit gekünstelter Ruhe, Bernhard in leidenschaftlicher Erregung, mit totenbleichem Gesicht und funkelnden Augen. Doch währte es kaum eine Sekunde, dann war die Leidenschaft verflogen.

Bernhard fühlte tiefe Beschämung und ging mit gesenktem Kopf bis zur Tür zurück. Doch auch Ernst von Miltitz hatte angesichts der drohenden Haltung seines Sohnes die verlorene Beherrschung rasch wiedergefunden. Er wußte sich schuld an dem häßlichen Auftritt. Deshalb sprach er auch kein Wort mehr darüber, sondern trat an das Fenster und sah eine Weile schweigend hinaus.