Endlich wandte er sich um und sagte in scheinbar gleichgültigem Tone:
»Kaiser Karl weilt wieder einmal in Worms. Der Herzog beabsichtigt, Caspar von Carlowitz an das kaiserliche Hoflager zu senden, um der Majestät seine gleichbleibende Ergebenheit und seine Standhaftigkeit im alten Glauben von neuem zu versichern. Du wirst den herzoglichen Abgesandten als Junker dahin begleiten. Ich habe mit Vetter Carlowitz bereits alles verabredet. In drei Tagen gehst du nach Dresden und meldest dich in der Hofkanzlei, woselbst die Pässe und Vollmachten für Euch geschrieben werden. Vor deiner Abreise spreche ich dich noch!«
Bernhard vernahm dies alles wie im Traum. Das gestrige Erlebnis hatte ihn schon erschüttert, und nun der heutige Tag! – Er verneigte sich stumm und begab sich auf sein Zimmer.
Neuntes Kapitel
Im Schatten des alten Markgrafenschlosses
Auf der Ostseite des Markgrafenschlosses fällt der hohe Syenitfelsen in einer steilen Lehne ab. Diese mit Bäumen bewachsene Fläche hieß der Tiergarten. An dieser Stelle stand hinter einem Vorsprung der Grundmauer des Schlosses Sonnhild und schaute hinab.
Zwischen den Rebenstöcken drüben auf dem Ratsweinberg liefen Winzerinnen geschäftig hin und her, und die weißen Tücher, die sie um den Kopf geschlungen, tauchten in dem saftigen Grün abwechselnd auf, um nach einer Weile wieder zu verschwinden.