Sonnhild fuhr bestürzt auf. Denn ihr ward bewußt, daß sie ihr zartes Geheimnis verraten hatte.

»Junker,« stammelte sie, »um Gottes willen, was sprechen wir. Nein, es darf nicht sein. Die tiefe Abneigung der beiden Stände voreinander, denen wir angehören – der Haß – – –«

»Sonnhild,« versetzte der Jüngling mit Ernst, »sprecht nicht also, ich bitte Euch! Was uns trennend im Wege steht, ist nichts anderes, als ein schlimmes Vorurteil. Wie lange noch, und die sich heute so bitter bekämpfen, werden nicht mehr verstehen, warum sie dies einst getan. Adel und Bürgertum werden noch einmal die Schranke zwischen sich niederreißen und sich versöhnen. Dann erst können sie die großen Aufgaben lösen, die ihnen gemeinsam gesteckt sind.«

»Wie edel Ihr seid,« antwortete Sonnhild. »Aber wann wird dies eintreten? Die Abneigung ist ja so tief eingewurzelt. Und dazu der grimme Glaubenshader!«

»Wir beten alle zu einem Gott,« sagte Bernhard, »und wer ihn aus tiefem Herzen verehrt, der allein dient ihm wahrhaftig.«

Das Mädchen vermochte nicht, zu erwidern. Aber ein innig dankbarer Blick lohnte die Worte des Jünglings.

»Man hält uns für Kinder, Sonnhild, und was wir tun, für kindisches Spiel. Aber sie wissen nicht, wie sie irren. Zeigen wir es ihnen, daß wir stark sind im Beharren und daß wir dulden können. Heute ist unser Himmel trübe, aber wir werden auch wieder die Sonne an ihm heraufziehen sehen!«

Des Mädchens Brust arbeitete heftig.

»Junker!« rief sie plötzlich, »nein, nicht diese Worte! Mein Vater ist unversöhnlich. Er würde nie erlauben – – –«