»Nein, Bernhard,« sprach sie mit Festigkeit, »Ihr dürft nicht also sprechen! Preist diese Sendung als ein Glück und heißt sie willkommen. Die lange Trennung wird uns über die schwerste Zeit hinweghelfen. Weiltet Ihr hier, so würden sich unsere Herzen nicht beruhigen, weil eines die Nähe des andern immer fühlen müßte.«
Hier schwieg das Mädchen und wurde blutrot, daß sie so geplaudert.
»Liebe Sonnhild,« erwiderte Bernhard mit Bestimmtheit, »mein Herz wird sich immer nach dem Euern sehnen, und wäre ich noch so weit von Euch entfernt.«
Die Verwirrung des Mädchens wuchs bei diesen Worten, und sie wandte ihr glühendes Gesicht ab. Da konnte der Jüngling nicht mehr an sich halten. Er ergriff Sonnhilds Hand und bat:
»Scheltet mich nicht, wenn ich so spreche. Ach, wenn Ihr wüßtet, Jungfrau, wie es um mich steht! Alles, was gut ist in mir, gehört Euch. All meine Gedanken weilen am liebsten in Eurer Nähe, und wenn ich bei Euch sein darf, und wenn ich in Eure lieben Augen schaue – – –«
»Haltet ein, Bernhard!« rief das Mädchen mit fliegendem Atem, »was sprecht Ihr! Schonet meiner!«
»Nein,« fuhr der Jüngling mit gesteigerter Erregung fort, »laßt es mich einmal sagen, was ich für Euch empfinde. Die Riesenlast möchte mich sonst noch erdrücken. Sonnhild, ich liebe Euch mit meinem ganzen Herzen, mehr, als ich Vater und Mutter liebe, und Euch zu besitzen, wäre mir das höchste Glück auf Erden!«
»Aber es darf doch nicht sein!« schrie Sonnhild gequält auf.
»Vergeßt einmal alles,« bat Bernhard in weichem Tone, »was uns scheidet, und sprecht das aus, wozu das Herz Euch drängt. Ach, sagt es mir doch nur ein einziges Mal, wonach meine Seele bangt.«