»Bernhard, lieber Bernhard,« flehte Sonnhild mit rührender Stimme, »seid stark!«
Und er sah, wie ihre Lippen zuckten, und wie ihre Augen umflort waren. Sie war ein tapferes Mädchen und bezwang sich besser als er!
Sonnhild mußte alle Kraft zusammennehmen, um ihre Rührung zu bekämpfen.
Da bemerkte sie die tiefe Niedergeschlagenheit Bernhards. Und als sie ihn heimlich noch einmal ansah, liefen ihm zwei dicke Tränen über die Wangen. Aber sie wollte standhaft bleiben. Dann handelte sie, wie es ja auch für ihn das beste war.
Sonnhild wandte sich ab und tat, als ob sie die Tränen des Jünglings nicht bemerke. Sie fühlte in ihrer Brust einen nagenden Schmerz, und sie mußte an sich halten, daß sie nicht verzweifelt schrie: »Bernhard, ich kann ja nicht leben ohne dich!«
Minuten vergingen in lautlosem Schweigen. Endlich hob Bernhard an:
»Sonnhild, wollen wir nicht du zueinander sagen, wenn wir uns wieder begegnen?«
»Ja, Bernhard,« antwortete das Mädchen freudig, »seien wir fortab Freunde. Nimm mein schwesterliches Du!«
»Ich danke dir, Sonnhild,« sprach der Jüngling bewegt. »Aber nun bitte ich noch um eins: übermorgen reise ich. Sonnhild, ich gehe weit fort. Auf wie lange, weiß ich nicht. Möchtest du mir nicht morgen noch ein einziges Viertelstündchen schenken, daß wir uns Lebewohl sagen?«