Das Mädchen schrak zusammen. Heute hatte sie ihr Herz bezwungen, ob ihr dies noch einmal gelingen würde …?
»Ach, Bernhard« stammelte sie bestürzt, »steh davon ab. Ich bitte dich darum. Es ist des Schweren nun genug für uns!«
»Sonnhild,« antwortete er leise, und sein ganzes Herz lag in der Stimme, »gewähre mir diese letzte Bitte! Laß uns morgen Abschied nehmen.«
Das Mädchen schlug die Hand auf die Augen und wandte sich ab. Da ergriff er ihre Rechte, und sie fühlte sein flehendes Verlangen noch einmal im Druck seiner Hand.
»Wenn du es wünschest, Bernhard, so sei es,« sprach sie leise.
Darauf gingen sie stumm auseinander.
Am nächsten Tag schritt Bernhard mit schwerem Herzen den Hohlweg hinauf. Sein Gesicht zeigte die Spuren starker seelischer Erregung, sein Gang war müde. Er hatte die letzte Nacht wachend auf seinem Lager zugebracht. Liebte ihn Sonnhild nicht? Doch, er fühlte es. Aber sie konnte ihr Herz bezwingen.
Bernhard empfand leise Scham, wenn er daran dachte, was für ein starker Charakter das Mädchen war. Und er war fest entschlossen, heute keine Schwachheit zu zeigen.
Als er den Ausgang des Hohlwegs erreicht hatte, stand geradeaus am Stadttor das Judenmädchen, ihm den Rücken zuwendend. Ob sie in den jüngst vergangenen Tagen, wo er nicht vor das Tor gegangen, seiner geharrt?