Da brach unter der Bevölkerung großer Jubel aus, der sich erneute, als die Bestätigung dieser Nachricht eintraf. Denn niemand zweifelte daran, daß der zum neuen Glauben treu stehende Herzog Heinrich die Wünsche des Volkes erfüllen würde.

An den Rat der Stadt Meißen aber kam in diesen Tagen eine Verordnung des neuen Regierenden, wonach der Verstorbene an der Seite seiner Vorgänger im Dom beigesetzt werden sollte.

Burgemeister Waltklinger berief sogleich die Ratmannen zur Versammlung, und man beriet die Feierlichkeiten, mit denen die Stadt dem verstorbenen Landesfürsten die letzte Ehre erweisen wollte. Aller Hader war verstummt. Der Tod hatte die Zwietracht ausgelöscht.

Die Gassen, die der Zug berühren mußte, wurden gründlich vom Schmutz gereinigt. Denn zu Zeiten des Mittelalters war in den Städten die Gasse der natürliche Abladeplatz für allen Abfall, der im Hause entstand, und der Tummelplatz des lieben Stadtviehs. An diese Unreinlichkeit hatten sich die Bewohner so gewöhnt, daß nur bei hohem Fürstenbesuch gründlich aufgeräumt wurde, – doch durfte solcher nicht öfter als einmal im Jahre kommen. Erschien hingegen der Landesherr in kürzeren Zeiträumen, so mußte er sich's gefallen lassen, wenn sein Wagen, wie der jedes andern Sterblichen, bis zu den Achsen der Räder in dem Morast versank.

Als der Tag herangekommen, hatte sich die ganze Einwohnerschaft in Festkleidern vor den Häusern versammelt. Die Gilden und Innungen waren mit umflorten Fahnen aufmarschiert und bildeten eine Ehrengasse für den toten Herzog. Der Burgemeister und die Ratmannen, angetan mit ihrer feierlichen Amtstracht und goldenen Ketten, empfingen die Leiche am Stadttor und schritten ihr vorauf bis zum Dom. Langsam bewegte sich unter großem Gepränge der Zug durch die Gassen, während die Stadtpfeifer Trauermelodien aufspielten.

Vor dem Dom angekommen, war der Stadtrat unschlüssig, ob er das Gotteshaus zur Teilnahme an der Totenfeier betreten sollte. Da aber der Burgemeister und die Ratmannen ihren Herzog, den sie als guten Lutherischen kannten, der Leiche hinterdrein schreiten sahen, folgten auch sie ins Innere.

Da ward plötzlich allen Teilnehmern eine große Überraschung. Kaum war der Sarg auf dem schwarzumkleideten Katafalk vor dem Hochaltar niedergesetzt worden, als Herzog Heinrich noch vor Beginn des Gottesdienstes den Dom wieder verließ. Der Stadtrat und ein großer Teil der Versammlung schloß sich ihm an.

Das war eine deutliche Kundgebung des Herzogs für seine Stellung als regierender Landesfürst zum neuen Glauben. Die Bürgerschaft Meißens frohlockte, wenn sie an die Zukunft dachte, und die Nachricht von dem Geschehnis flog pfeilschnell durch das Land.

Jeder fühlte, daß eine neue Zeit anbrach. Ein weiterer Vorbote ließ nicht lange auf sich warten.

Die katholische Partei mit der Geistlichkeit an der Spitze beabsichtigte, zu Ehren des verstorbenen Fürsten den Dreißigsten besonders glanzvoll zu begehen. Da erhielt der Amtmann Ernst von Miltitz eine Verordnung des Herzogs, daß die beabsichtigte Zeremonie zu unterlassen sei.