Die jungen Bürgersöhne waren gleichfalls im Festschmuck erschienen, die sammetnen Wämser an Kragen und Ärmeln mit köstlichen Spitzen besetzt. Auch waren immer einige Junker dabei in wallendem Haar, den Gürtel wohl beschlagen mit glänzendem Metall, und die Spitze des Schwertes beim Gehen an der Ferse klingen lassend.

Die Bürgersöhne sahen deren Kommen aber nicht gern und betrachteten sie mit stolzen Blicken, wofür die jungen Edelleute hochmütig um sich schauten. Zuletzt wurde die schönste Jungfrau mit einem Kranz von frühen Feldblumen als Maienkönigin gekrönt und im Triumphzug und unter lautem Singen nach Hause geführt. In diesem Jahre war Sonnhild Maienkönigin gewesen.

All diese freundlichen Bilder stiegen in Sonnhilds Erinnerung herauf. Und bald nach dem lieblichen Fest war ja die schönste Zeit ihres Lebens angebrochen: sie hatte den Jugendfreund wiedergesehen!

»Bernhard, – mein Bernhard,« flüsterte Sonnhild. Und sie merkte, wie es ihr warm in die Augen stieg. –

Mittlerweile hatte die Menge auf dem Markt zugenommen. Da sah man die Bürgerfrauen, die keine Frau eines Dienenden in ihren Kreis ließen. Abseits von ihnen standen die Frauen der reichen Familien. Aber den unterwürfigsten Gruß erwiesen die Gesellen und Dienenden den Frauen und Töchtern aus den Patriziergeschlechtern. Die gleiche Auszeichnung erfuhren die Männer. Doch von diesen waren nur wenige auf dem Markt; sie weilten zum Frühtrunk in den Schenken.

Die Frauen wachten streng darüber, daß die feinen Abstufungen in der Rangstellung, die von der Größe des Reichtums abhängig waren, äußerlich aufs peinlichste gewahrt wurden. Wer unter dem eigenen Kreis stand, mußte sich's gefallen lassen, kühl behandelt zu werden. Nach oben aber wurde viel Freundlichkeit aufgewendet.

Die eleganten Frauen unter den Reichen trugen ein langes Gewand von kostbarem Stoff und reich besetzt. Der Schleppenschwanz war sechs Fuß lang und nahm auf der Straße allerlei Unrat auf. Wenn sie zum Tanz gingen, befestigten sie die lästige Schleppe mit einem großen, eisernen Haken hinten am Rücken, wo sie wie ein schweres Gewicht niederhing. Dafür hatten aber die Kleider oben fast gar keinen Stoff. Sie waren so weit offen, daß man den ganzen Busen und den größten Teil des Rückens sah. Die jungen Herren waren mit dieser Schaustellung recht zufrieden. Aber die Prediger wetterten von den Kanzeln grimmig dagegen – natürlich erfolglos.

Die einfacheren Bürgerfrauen gingen zwar weniger kostbar, aber immer noch recht anspruchsvoll gekleidet. Denn es bestand in den Städten unter den Frauen ein wahrer Wetteifer in der Entfaltung von Luxus.

Ferner sah man unter der Menge langlockige Bauern in altfränkischer Kleidung: kurzen, tuchenen Jacken, Kniehosen und hochschäftigen Lederstiefeln, dazu ihre Weiber mit hellen Kleidern in schreienden Farben. Auch herzogliche Landsknechte vom Schlosse waren da, mit martialischen Bärten, einheimische und fremde Schützenbrüder und endlich Bürger, bewaffnet mit Ober- und Untergewehr.

Denn jeder Bürger, soweit waffenfähig, war wehrhaft. Zu ruhigen Zeiten gingen sie ihrem Handwerk nach. Sobald aber die Waffenübungen riefen, dann stand die Werkstatt leer. Hoch aufgereckt stolzierte der Angehörige der Bürgerwehr durch die Menge. Auf dem Kopfe den großen Schlapphut, geschmückt mit Birkenreis oder Hopfenblüte, Sporen an den Füßen, die Flinte auf dem Rücken und den Degen vorm Herzen. Die Bürger eines Viertels hatten ihr eigenes Fähnlein, und an ihrer Spitze stand der Viertelsmeister.