»In den Weibsbildern sitzt der Teufel! Das habe ich immer behauptet, und noch keiner hat mir's widerlegt. O, diese Töchter und Mütter, die nicht wissen, wie sie prangen sollen! Sie treten einher und schwänzeln und haben köstliche Schuhe an den Füßen und tragen güldene Hauben, und auf den Kleidern Perlborten und hohe Krausen und sonstiges Gefetz. Auch in durchsichtigen Gewändern laufen sie und strecken die bleckenden Hälslein aus wie Hirsche. Dazu werfen sie die Äuglein um sich und wissen ihre Gebärden danach zu richten, daß alles lieblich und lustig anzusehen ist.
Die jungen Weibsbilder wollen alle gern schön sein, klar Gesichte und weiße Händlein behalten. Und da manche diese von Natur nicht hat, untersteht sie sich, solches durch Kunst und andere Mittel zuwege zu bringen. Und es will traun allenthalben gemein werden, daß die jungen Frauen beginnen ins Töpflein zu blasen und das Angesicht zu färben nach ihrem Gefallen, damit sie desto schöner mögen anzusehen sein. Wo bleibt da Zucht und Sitte?«
Hier sah der wackere Biertimpel die Matrone entsetzt an. Aber an einer Antwort war ihm nichts gelegen, deshalb fuhr er rasch fort:
»Vorzeiten ließen sich's die Menschen genügen an dem Zeuge, das sie selbst gemacht. Sie kleideten sich in wollene Tuche und in Barchent und wußten nichts von Sammet und Seiden. Purpur und köstliche Leinwand waren der Könige und großer Potentaten Tracht!
Itzund lassen sich's Adlige und Bürgertöchter daran nicht genügen. Sie wollen es hohen Personen nachtun und das Beste von Damast und Atlas haben und weiche Kleider an ihrem Halse und auf ihrem Leibe tragen. Ist fast keine Dienstmagd zu finden, sonderlich in fürnehmen Städten, sie will seidene Ärmel, einen Rock von bruggischem Atlas oder von Zindeldort mit zwei, drei Schweifen und sammetnen Borten tragen. Und in den Röcken muß ein Stahlreifen sein, damit sie wie eine Glocke aussehen und weit um sich sperren. Darin walzen sie daher wie Bierfasse und können nicht aus den Gestühlen der Kirche kommen. Wenn sie aber eine Hausmutter werden soll, kann sie nicht wohl ein Windeltüchlein bezahlen oder zuwege bringen.«
Benedikt Biertimpel hatte sich in Eifer geredet. Jetzt nahm er sein Käppchen ab und wischte die Schweißperlen von der Stirn. Diese Gelegenheit benutzte die Nachbarin klug und versetzte:
»Gevatter, erzürnt Euch nicht! Auch in unserer Jugend …«
»War alles viel besser!« eiferte der Entrüstete von neuem. »Was bei den Alten vor dreißig und vierzig Jahren ehrbar gewesen, taugt jetzt nicht mehr. Ist alles nur aufs Prangen gerichtet. Man will immer was Neues, was Seltsames haben. Was fremd – ausländisch, hat man am liebsten! Alle Völker haben ihre sonderliche Tracht und Manier, allein wir Deutschen wollen bei nichts Gewissem bleiben. Was man einmal gesehen, will man nachtun! Muß alles verschnürt, verbrämt, gekräuselt und wunderlich und seltsam gestickt sein. Möchte doch bald eine jede Frau von Adel oder bei fürnehmen Bürgern eine eigene Nähterin und Bortenwirkerin haben, die übers Jahr ausnähet. Da muß man mehr auf Kleidung und Schmuck wenden, als sonsten in der Haushaltung. Ei, behüte Gott!«
Der Sprecher wischte flugs wieder einmal über die Stirn.
»Es sind ihrer viele, die schändliche und greuliche Hoffart treiben mit den Haaren ihres Hauptes. Die natürlichen Haare taugen nichts mehr, sie müssen blond gebleichet sein und über einen Draht gezogen. Das soll sonderlich hübsch sein! Und manche trägt auf ihrem Haupte Haare, die aus dem Beinhaus von einem toten Kopfe sind.