Um den Hals muß man ein großes, dickes Gekröse haben aus teurer Leinwand. Das muß gestärkt und mit heißem Eisen ausgezogen werden. Da steht das Haupt in der Mitte, wie Sankt Johannes' Haupt in der Schüssel. Ja, die Kleider müssen auch nicht mehr vorn, sondern hinten im Nacken zugemacht sein, als stünde das Gesichte auf dem Rücken. Und gar die Ärmel! Die müssen unter dem Arm durchsichtig sein, daß man die weiße Haut sehen und erkennen mag. Geht doch manche Dienstmagd dermaßen daher, daß sie es wohl einer reichen Bürgerstochter zuvortut. Danach, wenn sie zur Ehe greifen soll, da ist weder Bett, Decke, noch Strecke. Die jungen Frauen lernen sich fein in die Hoffart schicken. Weiß manche nicht, wie sie treten soll. Weiß die Füße so zierlich zu setzen, daß sie nicht ein rohes Ei entzwei trete. Das ist jetzund der Welt Lauf!«

Die gutmütige Greisin war bei dieser langen Rede wirklich ein wenig ungeduldig geworden und begann jetzt, ihr vielgeschmähtes Geschlecht zu verteidigen. Da sah Meister Biertimpel auf und maß die Sprecherin mit erstaunten Blicken. Nicht lange vermochte er an sich zu halten. Dann fuhr er ihr hitzig ins Wort:

»Gevatterin, was Ihr daherredet! Die Zeit ist verderbt, sage ich. Hat nicht unlängst selbst der Burgemeister laut gescholten, daß die Frauen ungesellig seien und steif wie Ölgötzen bei der Tafel säßen und Prunk über alles liebten und adelsüchtig wären? Das war der Waltklinger, Gevatterin, der das sprach, kein Geringerer! Und ist es nicht wahr, daß die jungen Weibsbilder mit den Äuglein nach den jungen Gesellen werfen? Und wie sie sich verantworten können! Sollte sie einer zur Rede setzen, dem würde es wohl gehen, wie jenem alten Vater. Der sagt zu einer jungen Frau, so ihm auf der Gasse begegnete: ›Junge Frauen sollen nicht nach Mannspersonen sehen, sondern ihre Augen zur Erden niederschlagen.‹

›Nein‹, antwortete sie darauf, ›nicht also! Ihr selbst sollt die Erde ansehen, denn der Mann ist aus der Erden. Das Weib aber ist aus einer Mannesrippen erbaut. Drum sehe ich mich nach dem um, von dem ich genommen und gemacht bin.‹«

Meister Biertimpel betrachtete die Gevatterin triumphierend. Diese zuckte die Achseln und schwieg. Sie bekannte sich geschlagen. Da zeterte er weiter:

»Jeder will freien, wann und wo er will. Junge Rotzlöffel, die kaum achtzehn Jahre alt sind, wollen Weiber haben, die man noch billig in der Schulen schicken möchte.

Will jetzund schweigen des losen Gesindels, fürnehmlich unter den Frauen, das die Ehe hält, wie der Hund die Fasten …«

Hier brach der Zürnende plötzlich ab und wurde sichtlich unruhig. Die Gevatterin sah verwundert auf – da kam des guten Biertimpels wackeres Eheweib über den Platz geschritten. Sie kehrte erhitzt vom Schießanger heim. Jetzt lächelte die Gevatterin, sie verstand den raschen Schluß der eifernden Rede.

Nun nahm die Angekommene ihres Ehegatten Sitz ein, und ihre Lippen flossen über von der Lust und Freude, die sie heute wieder erlebt hatte. Meister Biertimpel schwieg dazu und machte sich in dem kleinen Vorgarten zu schaffen.

So bestand zwischen den beiden Ehegatten eine Harmonie, bei der sie alt geworden waren. Ab und zu freilich protestierte Biertimpel einmal gegen die leise Flöte, nach der er gezwungenermaßen tanzte. Bei solchen Gelegenheiten hörte die Nachbarin immer einen kurzen Streit, dessen Ende ein wiederholtes, kräftiges Klatschen bildete. Darauf wurde die brummende Stimme des Hausherrn still.