»Die zweite Frage: so der Ausgezogene seiner Herzallerliebsten ein Gegenangebinde sendet, von derselben Art, wie er beim Abschied empfangen, was müßte dieses dann sein?«

Sonnhild wurde dunkelrot. War es Zufall, was der Fremde sprach? Durfte sie sich ihm anvertrauen? Sollte wirklich …? Das Herz klopfte ihr zum Zerspringen.

»Ein Ringlein,« sagte das Mädchen endlich mit gepreßter Stimme.

»Die dritte Frage! Und wie nennt Ihr jenen, von dem Ihr solches empfangen möchtet?«

Sonnhild kämpfte mit einer großen Verwirrung. Sie schlug die Augen nieder, und es währte eine Weile, bevor sie sich gesammelt hatte. Nach einem tiefen Atemzug sah sie wieder auf; alles Blut war aus ihren Wangen gewichen.

»Bernhard,« sagte sie kaum hörbar.

In des jungen Spielmanns Augen trat ein Leuchten.

»Dann seid Ihr die ehr- und tugendsame Jungfrau Sonnhild Waltklinger!« rief der Landfremde freudig, »und ich habe recht geraten. Zweierlei präge dir wohl ein, sagte der edle Junker zu mir: die Reinheit und Bläue der Luft – das sind ihre Augen, sowie das goldene Glänzen der Sonne – das ist ihr Haar. Und das Ganze ist mein Himmel, setzte er für sich hinzu.«

Zugleich tastete der Bursche nach der dunkelroten Wollschärpe, die er um den Leib gewunden trug, und deren goldgefranste Enden von der linken Hüfte herabhingen. Aus ihren Falten zog er einen niedlichen Gegenstand, sorgsam in weiches Papier eingeschlagen. Und als er die Hülle entfernt, hielt er einen Ring zwischen zwei Fingern, den er Sonnhild verstohlen reichte.