Der Geschlagene fühlte seine Wut verrauchen; der herrische Zorn seines Angreifers entwaffnete ihn. Auch die Menge war im Nu ernüchtert, ebenso rasch, wie sie mich andernfalls zerrissen hätte. Und als nun noch der Begleiter des Jünglings, ein älterer Edelmann, wie ich sogleich erkannte, beruhigend einsprach, ließen sie von mir ab. Eine Sekunde später war es um mich herum leer: die Wütenden waren zur Kirche unserer lieben Frauen hinüber geeilt, wo man den Dieb im Besitze des Kleinods erwischt hatte.

Daß ich's vollende,« schloß der Erzähler. »Der mutige Jüngling wehrte meinen Dank, warf mir einen Goldgulden zu und sprengte seinem voraufreitenden, arg bestaubten Begleiter nach. Aber ich lief bis zur Nacht die Gassen ab, bis meine wegwunden Sohlen in den Schuhen in Blut standen. Gerade vor der Herberge der beiden Herren sank ich nieder.

Am nächsten Tag trat ich vor meinen Retter und flehte um einen Dienst. Da ward er mir; ich kam ihm gelegen. Und so bin ich hier.«

In Sonnhilds Brust war beim Zuhören mehr als einmal heller Jubel erklungen. Ihr Busen wogte stürmisch auf und nieder. Das war der edle Charakter und die Unerschrockenheit Bernhards! Sich zur Ruhe zwingend, sprach sie:

»Möchtet Ihr, Fremdling, diese Gabe nicht doch als Andenken an mich mit Euch nehmen?«

Die Augen des Jünglings ruhten versunken auf dem schönen Mädchen.

»Das Gold, das Ihr mir bietet,« sagte er traurig, »würde bei mir keine bleibende Statt haben. Der Hunger ist der grimmigste Feind der Fahrenden. Ich weiß, daß ich mich von Euerm Dukaten einstmals doch trennen müßte, und das täte mir im Herzen weh! So Ihr meinen schlechten Dienst aber reich lohnen möchtet, schenkt mir das blutrote Schleiflein von Euerm Kleid, das Euch just am Herzen sitzet.«

Errötend lächelte Sonnhild und willfahrte der Bitte. Der Jüngling empfing mit zitternder Hand das Geschenk und führte es andächtig an seine Lippen. Dann sprach er leise:

»Er nannte Euch seinen Himmel! Ich begriff nicht, wie ein Liebender so sprechen könne. Jetzt aber, wo ich Euch gesehen, das jähe Erröten und Erbleichen Eurer Wangen beobachtet und Euern lauten Herzschlag vernommen, als Ihr ihn nanntet, jetzt verstehe ich seine Worte. Ihr zeigtet Euch gütig gegen mich und huldvoll und gewährtet mir dieses Geschenk. Jungfrau – das ist der beglückendste Lohn, der dem Spielmann werden konnte!«