Zwei Anekdoten vom Marquis Bonvivant

Von Karl Ettlinger

Der Marquis über Heidenbekehrung

Der Pariser Frieden von 1763 war noch nicht geschlossen, und Frankreich sonnte sich noch im Besitze seiner wertvollsten Kolonien. Der Jesuitenorden, – den der durch die Unterrockpolitik der Pompadour erhobene und durch die Hemdpolitik der Dubarry gestürzte Choiseul 1764 vertrieb – sandte noch seine Missionäre in die fremden Länder, um aus guten Götzendienern schlechte Christen zu machen. Der freigeistige Marquis Bonvivant bezeigte diesem Missionseifer nur geringe Sympathie, und er pflegte in seiner frivolen Weise zu spotten: »Statt den Heiden das Wasser der Taufe auf den Kopf zu träufeln und Schnaps zum Trinken zu verkaufen, wäre es besser und christlicher, ihnen Wasser als Getränk zu verhandeln und ihnen den Schnaps über den Kopf zu gießen.« Ein Bettelmönch, dem des Marquis Denkungsart unbekannt war, sprach einst bei ihm vor, um eine fromme Gabe für die Missionen zu heischen. Wie schlug ihm das Herz voll eitler Freude, als der Marquis ihm versprach, für das nächste Missionsschiff eine ganze Kiste Kruzifixe zu spenden! Mit den bestgemeinten Segenswünschen dankte der harmlose Bettelmönch.

Das Missionsschiff lag abfahrtbereit im Hafen, in wenigen Stunden sollten die Anker gelichtet werden, – als acht stämmige Männer erschienen, die im Auftrage des Marquis eine große schwere Kiste an Bord trugen, die die Aufschrift zeigte: »Kreuze für die Heiden.«

Der frommen Mannschaft dünkte diese Kiste ein wenig groß geraten – es mußten ja Abertausende von Kreuzen darin Raum haben –, und so wurde beschlossen, die Kiste zu öffnen, um die Hälfte der zur Verwendung für die Heiden bestimmten Kreuze für das nächste Missionsschiff zurückzubehalten.

Man brach die Kiste auf. Sie enthielt – ein halbes Hundert Grabkreuze.

Der Marquis über das Duell

Siebenunddreißig Duelle hatte der Marquis Bonvivant in seinen jungen Jahren ausgefochten, und er hatte damit bewiesen, daß es ihm nicht an Mut fehlte, in Streitfällen hinter jede Beschimpfung einen Florettstich als Schlußpunkt zu setzen. Als aber das Leben seine Haare mit dem Puder des Alters betupfte, als er in dem Garten seiner Erfahrungen die kostbarste Frucht: das Lächeln geerntet hatte, da änderte sich auch seine Sinnesart über das Duellwesen. »Es mag Ausnahmefälle geben, in denen ein Duell unvermeidlich ist,« sagte er. »Allein das Meer von Zweikämpfen würde zu einer Pfütze austrocknen, wenn meine lieben Zeitgenossen endlich einsehen wollten, daß ein Amtsgericht weit zuverlässiger ist als ein Gottesgericht.«

Kurz nachdem er diesen Ausspruch getan hatte, der ihm sehr übel vermerkt wurde, gebot ihm die Freundespflicht, einem Baron de Sulpice Sekundantendienste zu leisten. Dieser hatte einem Chevalier, der beim Kartenspiel trefflich das Glück zu korrigieren verstand, das Wort »Falschspieler« ins Gesicht geschleudert. Nach dem ersten Gange lag der Falschspieler tot am Boden: eine Kugel hatte ihm das Herz durchbohrt.