Marquis Bonvivant stand bei dem Leichnam; er betrachtete den leblosen Körper aufmerksam, hob ihn auf, musterte die Rückseite, befühlte den Kopf und ließ die Leiche kopfschüttelnd wieder zu Boden gleiten.

»Was soll dieses Spiel?« herrschte ihn der anwesende Arzt an.

»Verzeihen Sie meine Neugierde!« gab der Marquis zurück. »Ich bin nun einmal eine gründliche Natur: ich habe das Loch in der Brust gesehen, aus dem das Leben das Chevaliers entflohen ist, und ich suche nun das andere Loch, durch das angeblich die Ehre wieder in seinen Körper eingezogen ist!«

Der Garibaldiner

Von Karl Federn

Es war an einem Mainachmittag des Jahres 1891 in Rom, als ich meinen Freund Cesare Salvadori aus Cefalù traf. Am Abend vorher hatte eine patriotische Gedenkfeier stattgefunden; die schwarzen Carabinieri, kriegerische und andere Vereine mit vielen Fahnen, die Garibaldiner mit ihren roten Hemden waren unter rauschender Musik durch die staubigen Straßen des glänzenden Rom aufs Kapitol gezogen: Salvadori war mit im Zuge gewesen, denn er war Garibaldiner. Sie wissen, was das heißt; Sie kennen die tausend Helden, die überall in Italien mit Verehrung und Begeisterung betrachtet werden, die für das Land und die Freiheit geblutet haben, und die nie sterben, weil, wenn einer von ihnen zu Grabe getragen wird, der Nächstälteste der Familie das rote Hemd anlegt, um die Ehre und den Vorteil dem Hause zu erhalten.

Als ich mit Salvadori vor dem Café Aragno saß, trug er das rote Hemd nicht mehr, sondern einen schlaffen schwarzen Tuchrock, und schlaff waren auch seine Züge, selbst der eisgraue Schnurrbart unter der Hakennase.

»Wie geht es Ihnen, Salvadori?« fragte ich. Den Toskano im Mundwinkel, den einen Fuß mißmutig über dem andern wippend, saß er da. »Schlecht,« war seine Antwort. »Man lebt, aber es geht schlecht. Wie Sie mich sehen, bin ich wieder ohne Stellung. Man tut nichts mehr für uns, man schreit, wenn wir vorüberkommen, aber man tut nichts.«

Nun war gerade kurz vorher Giovanni Nicotera, der sizilianische Baron und Revolutionär, gleichfalls ein ehemaliger Garibaldiner, Minister des Innern geworden. Daran erinnerte ich den Alten.

Die grauen Augen in dem verwitterten Kriegergesicht zogen sich zusammen.