»Hol det Mul!« Das galt einem schreienden Matrosen. Paul Beneke beugte sich zu dem gefangenen Gegner hernieder, der ihm seine Worte ins Ohr wiederholte. Er nickte nur.
»Dann ist's keine Schande für mich, gekapert zu werden,« sagte der Sterbende. Er stockte. Am Mast seines Schiffs stieg die Hansaflagge empor. Nun schwebte sie hoch oben und schlug fröhlich knatternd um sich.
Da überflog eine furchtbare Grimasse das Antlitz des Engländers. Getrieben von Scham und Grimm, versuchte er, das neben ihm liegende Enterbeil nach Paul Beneke zu schleudern. Es entfiel aber seiner kraftlosen Hand.
»Ick versteh' di, min Söhn,« sagte Paul Beneke nachdenklich und begab sich achselzuckend zur Schiffsluke, daraus seine Leute die Schätze des Schiffsbauchs holten, um sie zu dem eigenen großen Kraweel herüberzubringen.
Der Steuermann zählte die Kisten und Säcke, die man herüberschleppte. Das monatelange Kreuzen und Segeln war mit einem Schlag reich gelohnt. Die Mannschaft sang und gröhlte vor Freude bei jedem neuen Stück, das an die Oberfläche kam.
Nun war's ein hoher, flacher Kasten, der nach dem Stempel darauf der Handelsgesellschaft der Portunari in Brügge gehörte. Die Leute wußten nichts damit anzufangen.
»Upbreeken!« befahl Paul Beneke.
Mit den Beilen, die eben noch auf die Schädel der Feinde niedergekracht waren, brachen sie die Bretter auf.
Der Lärm verstummte. Auch die See, die in der ganzen Zeit des Kampfes als eine rechte Mordsee mitgebrüllt hatte, beruhigte sich. Leichte, weiße Schaumkrönchen tanzten noch auf den grünen Wellen. Eine Wolke verschob sich. Sonnenschein glitzerte auf den Panzern und Helmen, auf den Waffen und nun auf dem breiten Goldrahmen des großen Bildes, das einer aufgeklappt hatte.
… Der Erzengel Michael in funkelnder Rüstung hielt die Wage – ein frommer Beter kniete in der tiefen Schale, ein Verzweifelter jammerte in der nach oben geschnellten Schale. Christus saß auf dem Regenbogen und hielt Weltgericht über all die, so aus den Gräbern stiegen, der Seligkeit oder der Verdammnis entgegen.