›Ja, was ist's denn, sans leicht verruiniert vom Lagunenwasser?‹
›Na, na – dös net – dös – net!‹
›Oder sans z' klan oder z' groß? ‹
›Na, na, dös net – dös – net!‹
›Ja, was ist denn nachher, in Kreuzteufelsnam?‹
›Uhuhu,‹ heult sie da, ›i kann s' net brauchn, es hand ja grad allszamm lauter – linksseitige!‹«
Das Protokoll
Von Wilhelm Scharrelmann
Ein Abbé erzählte einst folgende merkwürdige Geschichte:
»Ich hatte vor einigen Jahren durch das Spiel des Zufalls das Vergnügen, hier in Paris einen Jugendfreund wiederzutreffen, der mir seit langem nicht mehr zu Gesicht gekommen war. Allerdings, der zarte Hauch inniger Freundschaft, die uns einst verbunden, ließ sich nicht wieder erwecken, doch wurde unser Verhältnis herzlicher und vertraulicher, als es sonst zwischen Bekannten zu herrschen pflegt, und ich hatte genügend Gelegenheit, die Wunderlichkeiten und zeitweise verrückten Launen, die sich bei Herrn de P. mit den Jahren eingestellt hatten, kennen zu lernen, denn, unter uns gesagt, er war ein sehr merkwürdiger Kauz geworden, der seine Bekannten oft dermaßen düpierte, daß die meisten immer weniger Gefallen an seinem Umgang fanden und Herr de P. darum mit jedem Tag mehr vereinsamte. Ich bin sogar der Meinung, daß auch seine Verwandten ihn gänzlich sich selbst überlassen hätten, wenn nicht sein Reichtum und die zu erwartende Erbschaft sie bewogen hätte, seine Bosheiten und Wunderlichkeiten mit einem stoischen Gleichmute lächelnd zu ertragen. Er war ein alter Hagestolz, und die Frauen waren ihm so verhaßt, daß er selbst den Besuch weiblicher Verwandter stets übel nahm. Sein Haushalt war so einfach wie möglich. Ein Kammerdiener versah seine ganze Bedienung, und trotz seines Reichtums waren seine Ansprüche mehr als bescheiden. Seine Vereinsamung und eine heimtückische, schleichende Krankheit machten ihn vollends zum Hypochonder, und seine Gesellschaft wäre gewiß eine unerträgliche gewesen, wenn er nicht durch Geist und Witz, sowie durch große Schärfe des Verstandes den Mangel an Herz und Gemüt, der in allem, was er sagte, zutage trat, in etwas ersetzt hätte. Mit den Jahren und der immer zunehmenden Krankheit (er litt an einer Arterienverkalkung) verdüsterte sich sein Sinn mehr und mehr. Er fürchtete den Tod, trotzdem er sich oft darin gefiel, dieses letzte und größte Mysterium unseres Lebens zu verspotten. Eines Tages ließ er mich zu sich rufen und empfing mich, in seinem Bette liegend, mit den rasch hervorgesprudelten Worten: »Ah! Mein lieber Abbé! Ich möchte Sie bitten, einige Stunden am Lager eines Sterbenden zu verweilen. Ich bin bereit, Ihnen das Schauspiel meines Abganges von dieser elendesten aller Welten recht interessant zu machen. Aber bitte, nehmen Sie Platz! Jean soll Ihnen eine Bouteille bringen, und es soll Ihnen ganz gewiß an nichts fehlen, wenn Sie mir versprechen wollen, mich drei Stunden lang nicht zu verlassen! In den nächsten drei Stunden werde ich nämlich sterben und habe mir vorgenommen, die etwaigen Schrecken des Todes dadurch zu bannen, daß ich jede Phase meines Absterbens mit kaltem Blute verfolgen werde. Sie, lieber Abbé, müssen Protokoll über meine Beobachtungen führen, und wenn Sie sagen wollen, daß es eine langweilige Beschäftigung für Sie sein wird, so bedenken Sie doch, daß es der Wissenschaft von großem Nutzen sein wird, eine genaue, sozusagen autorisierte Darstellung der Vorgänge beim Tode eines Menschen zu erhalten. – Jean!« Er klingelte. »Bringen Sie eine Flasche Burgunder! Keine Widerrede, Abbé! Diese Flasche sollen Sie auf das Gelingen meines Planes trinken.«