Ein paar Wochen, nachdem diese Schrift Starkbloms erschienen war, stand in einer hellen Mansardenwohnung in Paris ein junges Weib von schier übermenschlicher Größe über einen Tisch gebeugt, damit beschäftigt, das Notwendigste in eine kleine Reisetasche zu packen. Ein Mann mit kurzgeschorenem, meliertem Vollbart, der aber noch viel jünger zu sein schien, als seine grauen Haare und sein gefurchtes Gesicht hätten vermuten lassen, lag, eine Cigarette rauchend, auf dem Sopha und schaute lächelnd wie ein Spitzbube, dem ein feiner Plan gelingen will, zu, wohl auch voll Vergnügen über die wundervolle Gestalt des Weibes. Sie hatte sehr ebenmäßige Formen, sie war nichts weniger als schlank, was sich auch zu ihrer Größe nicht hätte schicken wollen, ihr Gesicht war breit und zeigte ein ungemeines Wohlwollen, auch ihre Augen blickten groß und gütig und verständnisvoll in die Welt; ihre Stirne war frei, aber weder hoch noch gewölbt, die Haare trug sie kurz geschnitten und glatt gescheitelt.
Sie war jetzt fertig und schloß die Tasche.
»Sag’ einmal, Hänschen«, damit nahm sie das Gespräch wieder auf, »willst du wirklich nicht gleich mitkommen? Ich gehe natürlich auch so, sehr gern sogar, aber es ist doch die eigentümlichste Situation meines ganzen Lebens.«
»Das doch schon seltsame genug aufzuweisen hat«, fiel er lachend ein. »Nein, meine liebe Marguérite, ich komme nicht mit. Das würde gar nicht in meinen Plan passen. Du hast doch alles verstanden, wie ich es meine? Nicht wahr? Mich erwähnst du natürlich gar nicht. Du mußt ganz thun, als ob ich nicht existierte. Und dann, wenn du meinst, es sei an der Zeit, dann telegraphierst du. Ich komme dann sofort. Ich freue mich heidenmäßig und ich glaube, die Sache gelingt.«
»Das weiß ich noch lange nicht. Mir ist gar nicht so wohl dabei. Wenn er mir zum Beispiel, kaum daß ich sein Zimmer betreten habe, die Thüre weist?«
»Das thut er ganz sicher nicht. Der Mann fühlt sich ja kläglich vereinsamt, das spricht ja aus jeder Zeile. Ich vermute ganz etwas anderes.«
Dabei lächelte er und pfiff vor sich hin.
»Nun?«
»Hm, hm.«
»Ich weiß nicht, ich halte es für sehr leicht möglich, daß er sich schon getötet hat, ehe ich ankomme.«