»Marguérite, ich bin der Mann!«

Da kreuzte sie die Arme über die Brust, sah ihn ernst und schmerzlich an und sprach:

»Ich bin das Weib – ja!«

Und bei dem letzten Wort nickte sie bekräftigend und dann senkte sie den Kopf und blickte nicht mehr auf.

Er biß die Zähne fest in die Unterlippe, atmete schwer und blickte bohrend in die Luft. Er trat zurück und blickte an ihr hinauf. Dann packte er sie plötzlich an beiden Schultern und riß sie an sich. Sie ließ es willenlos geschehen. Dann flüsterte er zitternd:

»Ich danke dir. Komm!«

Als Starkblom besänftigt und wohlig neben Marguérite lag und ihren wundervollen Leib umfangen hielt, da schwand rasch die Scham und der Ekel, die ihn erst hatten überwältigen wollen, und wenn auch sein Körper matt und unbewegt dalag, die bleierne Mattigkeit seiner Seele wollte sich von ihm lösen, und Kraft und Freude und selige Unbewußtheit hielten ihren sieghaften Einzug. Er wurde nicht müde in das ruhige süßes Behagen ausströmende Auge Marguérites zu blicken und ruhig und ohne Aufregung lange Küsse auf ihren Mund und ihre Lider zu heften. Und immer wieder hob sich seine Seele und sein Leib zu der wundervollen stillen Frau, die ihm manchmal sanft über das Haar strich und ihm den Schweiß von der Stirne wischte. Sie sprachen auch manchmal zusammen während der langen schönen Nacht, aber nur kurze hingeworfene Laute, die im Dunkel verwehten, wie wenn den Vögeln nachts ein goldener Traum lind über das Gefieder streichelt und sie befangen weiche Töne den surrenden Lüften vermählen und dann wieder verstummen.

Als das Morgengrauen anfing mit seinen Nebelfingern das Dunkel von den Scheiben zu wischen, senkte sich die Müdigkeit trennend zwischen die beiden und sie verfielen in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Spät am Morgen schreckte Starkblom plötzlich empor und blickte verwirrt umher. Dann fiel ihm alles ein, er fühlte und sah seine schlafende Gefährtin neben sich und er legte sich lächelnd und behaglich wieder auf die Kissen zurück. Aber er konnte nicht mehr schlafen, er war vollständig frisch und munter. Er betrachtete Marguérite, deren breite, volle Brust sich gleichmäßig hob und senkte, ihre Wangen waren rosig überhaucht wie nie zuvor. So verblieb er lange, er konnte sich nicht satt sehen. Dann wäre er gerne wieder müde gewesen, er legte seinen Kopf, so leicht es ihm möglich war, auf ihre Brust, drehte aber dabei seinen Körper so, daß er ihr ins Gesicht sehen konnte. Bald zuckte es um Marguérites Mund, drückende Träume mochten sie ängstigen, sie stöhnte leise, dann wachte sie auf und sah in Starkbloms Augen. Eine unsagbare Heiterkeit verklärte da ihre Züge, beide sprachen kein Wort; sie blickten sich nur immer an. Auf einmal aber beugte sich Marguérite herunter, legte ihre Arme um seinen Hals und küßte ihn auf den Mund.

»Guten Morgen, mein Lieber«, sagte sie dann frei und heiter.