»Nun, es kommt ja auf’s Wort nicht an. Daß das viel besser und schöner war, als was man sonst gewöhnliche Ehe nennt, das ist natürlich ganz selbstverständlich. Aber, siehst du, es mag seltsam klingen, aber es ist so: wir hatten doch eigentlich nur geistige Gemeinschaft.«

»Na, na, das ist aber eine sehr kühne Behauptung, Marguérite. Das dürfen Sie beileibe nicht glauben, Herr Bruder im Geist, na, Sie wissen ja, was für ein Geist.«

»Jean, du wirst gereizt, ich hör’s am Ton, und das ist nichts für dich. Ich bleibe ganz und gar bei dem, was ich sagte. Es giebt Menschenpaare, die Erfahrung habe ich wenigstens gemacht, seit ich Karl kenne, bei denen geistige und körperliche Gemeinschaft, ich möchte sagen, organisch zusammenhängen. Gewöhnlich ist’s bloßes zufälliges Zusammentreffen. Angenommen, und so war’s bei dir und mir: Ihre Seelen stehen sich nahe und aus Bequemlichkeit machen die Körper die Sache so mit. Aber das ist nicht unbedingte Notwendigkeit. Daß wir, gerade wir beide, zusammen gehörten und zusammen taugten, ganz und gar, und uns gar nichts anderes denken konnten, so war es nicht, nein, so war es nie!«

»Jetzt ahne ich, was du meinst. Verzeih, aber das ist eine ganz überspannte Geschichte. So was giebt’s gar nicht. – Der langen Rede kurzer Sinn aber ist wohl der: Für mich giebt’s keinen Platz! Da sind nur zwei Stühle und die sind besetzt. Nicht?«

Die beiden schwiegen.

»Ich muß jetzt doch wie ein Kapitalsesel vor euch stehen« fing Hans wieder an. »Der ganze Plan stammt ja von mir. Sowie ich die Brochüre gelesen hatte, noch ehe ich ganz sicher war, daß Sie mein Bruder sind, ich dachte es mir zwar gleich, da fuhr es mir durch den Kopf: Den rette ich durch Marguérite! Es giebt nur eine Marguérite, dachte ich, die kann’s, nur die. Verteufeltes Vergnügen hat mir die Geschichte gemacht; und daß Sie sich in sie verlieben, habe ich sofort in die Berechnung gezogen, ich dachte schon, eine kleine Tragödie giebt’s, es wird ihm ein bischen zusetzen, aber am Leben bleibt er, dann erst recht. So ungefähr. Und nun? Herrgott, Marguérite, wie kann’s nur sein, daß du mich nicht mehr liebst, und ich hab’ dich lieber als je! Wie habe ich mich nach dir gesehnt die letzten Tage! Ist gar nichts zu machen? Entschließt du dich nicht anders, nun ich da bin?«

»Nein Hans,« sagte sie, »ich habe dich recht gern, ich denke gern an alles zurück, und ich verdanke dir ja so vieles –«

»Nichts verdankst du mir, nichts. O du! Du!«

»Aber jetzt ist es anders. Wir gehörten zusammen, Karl und ich, und mußten uns finden. Es ist schade, daß ich nicht an die Vorsehung glaube.«

»Hm,« machte er und lächelte trotz seiner Erregung. »Na, Herr Bruder, man ist natürlich der Dritte, der jubelt? Das Wort paßt nicht ganz, thut aber nichts. Na wie wär’s? Wollen wir jetzt mit einander ein wenig sterben spielen? Wenn Sie alle Künste Ihrer mächtigen Beredsamkeit anwenden, bringen Sie mich vielleicht so weit.«