Klar will ich nicht sein, meine Freunde. Aber ich ahne vieles und ich sehe Ahnende sich um mich versammeln und mit mir ziehen auf meinem Wege. Ich bin nicht zurückgewandelt zu den Moralischen und werde es nie. Vieles hasse ich und verneine ich mit euch wie früher und immer; eingeschworen bin ich auf keine Formel und keine Partei; aber Mensch bin ich unter Menschen, solange ich lebe; wirken will ich in Raum und Zeit für das Wachsen der Menschen und das Blühen der Erde; vieles verneine ich, aber ich bejahe mit frohem Jauchzen das Leben. Denn abgesagt habe ich dem ewigen Denken und damit dem Tod; ich träume und tummle mich, ich genieße meinen Leib und meine Seele, ich genieße meine Nächsten und genieße mein Ahnen des Entferntesten. Ich fühle meine Kraft und spüre das leidenschaftliche Hinausschleudern meiner Triebe und all meines Innern.
Alles Einzelne hat mir gedroht in grauer Nichtigkeit zu versinken: die Natur und das Treiben der Menschen, die Technik und die Produktion der Bedürfnisse, die Wissenschaft und die Kunst. Und jetzt ist mir alles wieder interessant. Meine Augen sind nicht mehr beschattet von dumpfer Betrübnis, ich öffne sie weit und beschaue mir ernsthaft die Welt. Mein Denken ergießt sich wieder über die Erde, ich träume hinein in unmeßbare und unaussprechliche Fernen, alles will ich wieder bewältigen und alles mit meiner Sprache beherrschen. Frei und unbekümmert nehme ich Stellung zu allem, was sich mir naht und ich lege mein Bekenntnis ab über alles, was mir bekannt wird.
Und das ist es, was ich von euch verlange, ihr Führer der Völker: Ihr sollt bekennen!
Und ein zweites ist es, was ich von euch verlange, und seltsam nimmt sie sich vielleicht aus in meinem Munde, diese Forderung: Ihr sollt nüchtern sein!
Damit meine ich euch vor allem, ihr Träumer und Dichter und Künstler und ihr Männer der Wissenschaften.
Fasset in euer Auge mit einem weiten Blick das Panorama der Kultur, das sich eröffnet mit den Namen: Voltaire, Kant, Goethe, Byron, Schopenhauer.
Und dann blickt mir auf das zweite Bild: Dampfmaschinen, Dampfschiffe und Eisenbahnen, Elektrizität und rationelle Landwirtschaft.
Welcher Umschwung in der geistigen Kultur entspricht dieser riesenhaften Veränderung im Verkehr und in der Herstellung der Bedürfnisse des Lebens und des Genusses? Und welcher sollte ihr entsprechen? Und welcher wird ihr entsprechen?
Sehet das zweite Bild, wie ich es euch male:
Geistesrohheit des emporgekommenen Philistertums, geistlose, ekelhafte Genußsucht, barbarische Kampfbereitschaft der Völker gegen einander, ungeheure neue Heere geistig und leiblich aufs entsetzlichste vernachlässigter moderner Sklaven, gewaltiger Aufschwung der Feigheit und Heuchelei und des Aberglaubens, dem Wahnsinn nahe Vereinsamung fortgeschrittener Künstler und Denker. Ächtung der freien Moral, des freien Gedankens, des freien Wortes – des freien Lebens. Ekelhaftes, sinnezerstörendes Gesamtbild aus der Vogelperspektive!