Wir wissen nichts; wissen nicht, ob die Ehe ganz zerfallen war; ob die Frau krank, ganz siech oder gar schwachsinnig war, wissen auch nicht, wie es um Geist und Gemüt William Shakespeares jetzt am Rande des Todes, am Schluß eines körperlichen Verfalls, einer Zermürbtheit, die er schon lange in sich gespürt hat, bestellt war, — — all das, was ich hier sage, was ich kaum anzudeuten mich getraue, — — all das ist möglich; wir wissen nichts. Wir wissen bloß, daß dasteht: für die Frau das zweitbeste Bett, — und daß das der Dichter des Lear, des Hamlet, des Macbeth verfügt hat, dieses ganze Testament, und weiter nichts, kein Wort. (Die christliche Eingangsphrase und die Versicherung ... bei guter Gesundheit, ohne Bedeutung.)

Ist das ein Rätsel? Halte ich mein Versprechen, daß ich wahrlich dieses Rätsel nicht lösen werde, wie dieser glühendste, wildeste und innigste aller Menschen — ich sage nicht zu viel — alles, worin er wahrhaft lebte, abbrach und sich irgendwie ins Bürgerliche verkroch, um da mit dem Leibe, am Ende gar noch vorher mit dem Geiste zu sterben?

Wir lösen es nicht, aber wir erblicken das ganze schauerliche Rätsel, wenn wir unmittelbar nach diesem bürgerlichen Geschäftstestament das geistige, das franziskanische Testament Shakespeares hören:

„Seele, o arme Seele, Kern im Kot,

Im sündigen, des Aufruhrs frevelmächtig!

Was quälst du dich im Innern, leidest Not.

Und kleidest deine Außenwände prächtig?

Was wendest du bei also kurzer Pacht

So große Kosten auf dein eitles Haus?

Daß einst der Wurm, der Erbe solcher Pracht,