Und ganz ähnlich klingt’s in dem ersten dieser Weibsonette: Schwarz soll jetzt als Schönheit gelten, soll der Erbe der Schönheit sein, denn Schönheit muß sich wie ein Bastard verstecken.

Jetzt, wo jede Hand künstlich die Kräfte der Natur anwendet und das Häßliche schön macht — fairing the foul — jetzt lebt Schönheit in Schmach und Verbannung.

Drum sind die Augen der Geliebten schwarz: sie tragen Trauer um die, die, nicht schön geboren, doch der Schönheit nicht entbehren; doch in ihrer Trauer werden sie schön, durch das Seelische, das aus ihnen spricht.

Es ist zweifelnde Liebe, unwillige Liebe: der Dichter ist gespalten in Trieb und Geist: oben wohnt einer, der sich wehrt; unten treibt etwas, und es kann sich nicht frei machen.

Drum analysiert er sie, zerlegt ihre Reize.

Was ist denn an ihr?

Und — fast gegen seinen Willen, so klingt es, so soll es klingen, denn es ist ein Kunstwerk — entsteht aus der kritischen Prüfung ihrer Reize das Lob der Geliebten.

In lauter Skepsis ist es doch ein entzückend kecker Einfall, so zu loben:

Ihre roten Lippen — Korallen sind eigentlich röter; Schnee strahlt doch noch heller als ihre Brüste... Ich hör’ sie gern reden, aber Musik klingt doch noch schöner; eine Göttin hab’ ich zwar nie wandeln sehen, aber den Boden berührt die Geliebte immerhin: —