Wir tun so wichtig mit geheimen Dingen,

Als sei’n wir Gottes Späher; überleben

Im Kerker Sekten und der Großen Streit,

Was ebbt und flutet mit dem Mond...

Man sieht, aus der Welt jeglicher Gier und Macht ist er völlig ausgeschieden; er, dem nichts galt als die Größe, die Herrlichkeit, das Befehlshabertum und der Pomp, ist ein kleiner Mann geworden, einer von den Stillen im Lande, deren Erhabenheit in Lächeln, in Frieden, in Überwindung besteht; ein Armer in jeglichem Sinn, auch in dem der christlichen Mystik: ein freiwillig Armer, ein Abgeschiedener, der nichts hat und nichts will. Aber dieses stille Versickern seines schwachen Lebensrestes in genügsamer Beschaulichkeit ist ihm nicht beschieden; zu tief hat sein früheres Treiben, zumal sein Handel mit den drei Töchtern ihn und die gute Cordelia mit ihm ins Böse, ins Politische, in Krieg und Mord verstrickt. Die sanfte, unpolitische Cordelia hat um seiner und um Britanniens Rettung willen zur Politik und den Waffen greifen müssen, die politischen Schwestern haben, um die Ziele ihrer privaten und öffentlichen Gier durchzusetzen, den Mann immer weiter nach oben gebracht, in dem das böse Prinzip sich verkörpert, den Glosterbastard Edmund, und nun ist es so weit gekommen, daß der Teufel und der Engel in Menschengestalt, Edmund und Cordelia, einander gegenübertreten; der Teufel bekommt, so weit ist’s in diesem Reich des Wahns gediehen, den Engel in die Hand, steht siegreich über ihm und darf ihn umbringen.

Und nun sehen wir noch einmal den rasenden, den brüllenden, den wütenden König Lear; jetzt darf er toben; diesmal geht’s nicht um Eitelkeiten, nicht um ihn selber; sein Jammer tönt um den liebsten Menschen, nicht weil er sie nun nicht mehr haben soll, nein, weil man ihr das Leben, weil man sie der Welt genommen hat.

In dem ganzen Stück scheint sich der Kampf des Guten, Menschenfreundlichen, Verträglichen mit dem Bösen, Gierigen, Ränkevollen und grausam Wütenden zu verkörpern, und so wie in Lear selbst eine tragische Bühne aufgeschlagen ist, auf der dieser Widerstreit der Mächte ausgefochten wird, so scheint er der König eines Reichs jenseits Britanniens, jenseits aller Reiche der Erde zu sein, wo dieser metaphysische Kampf der zwei Mächte um das Weltregiment gestritten wird. Auf der einen Seite Goneril und Regan, die wie Zwillingstöchter des Herrschteufels erscheinen; auf der andern Cordelia; hie Edgar, hie Edmund. Und auch der Verlauf der Geschehnisse ist so, daß Bös und Gut sich immerzu messen und abwechselnd siegen; und immer erscheint Bös als Reich dieser Welt, Reichtum, Unersättlichkeit; Gut als Stille, Friedfertigkeit, Armut. Der gute alte Gloster wird von Cornwall geblendet; sofort empört sich ein alter Knecht, einer von den kleinen Leuten der Menge, wir haben vorher nichts von ihm gesehen noch gehört, gegen den Herrn und verwundet ihn zu Tode; und Schlag auf Schlag; unmittelbar darauf ist das Böse wieder Meister: Regan bringt den Knecht um. — Der Haushofmeister Gonerils,

ein dienstergebner Bube,

So treu den Lastern der Gebieterin,

Als Schlechtigkeit nur wünscht,