An Treue der Liebenden glaubt er nicht und kann nicht dran glauben; so ist die Welt nicht mehr, so sind seine Erfahrungen nicht, und so ist vor allem seine Natur und die Lebensart nicht, die er wählte. Zeit seines Lebens war er, wenn es die Selbstbehauptung gegen die Welt und die Verfolgung seiner Ziele galt, ein Komödiant; sein schnell teilnehmendes Gefühl, seine menschliche Wärme, seine kindliche Hingabe, die alle als echte Gabe natürlich in ihm lebten, hat er in den Dienst politischer Zwecke gestellt; aus seiner Stärke wie aus seinen Schwächen hat er Mittel gemacht; wie Enobarbus, der ihn am besten kennt, einmal daran erinnert wird, wie Antonius bei Cäsars und auch wieder bei Brutus’ Tod Tränen vergossen habe, da meint der trocken:
Jawohl, in jenem Jahr plagt’ ihn der Schnupfen;
Was willig er zerstören half, darüber
Vergoß er Tränen.
Und vor allem, wie könnte er, der seinen Frauen hintereinander die Treue gebrochen hat, an treue Liebe zu ihm glauben?
An Treue zu glauben war er gewohnt; an seinen Kriegskameraden, an seinen Soldaten hat er sie gekannt; an Freundschaft und bewundernde Ergebenheit hat er geglaubt; aber selbst die verlassen ihn jetzt eben.
An Liebe glaubt er und hat sie genossen, hat sich leidenschaftlich in sie hineingewühlt und sich in sie begraben und um ihretwillen Welt und Treue und Ehre vergessen und verraten. So ist ihm Cleopatra jetzt wieder die Schlange, das falsche ägyptische Herz, das Zigeunerweib, — jetzt hat sie ihm den Rest gegeben, hat ihn dem „jungen Römerknaben“ verkauft, die Hexe!
Vor seiner Wut flüchtet sie in ihr Grabmonument wie in eine Festung und läßt ihm, in Angst und damit seine Stimmung umschlage — sie kennt ihn wie sich selbst —, sagen, sie sei gestorben.
Das aber ist sein Ende. Seine politische Rolle ist ausgespielt; es ist nichts mehr zu hoffen, der kühle Knabe hat gesiegt. Und nun ist ihm, wähnt er, Cleopatra im Tod vorangegangen, ist um seinetwillen, ist um ihn gestorben! Er hat genug; die römische Tradition lebt noch in ihm: ein Freigelassener soll ihm zum Sterben verhelfen. Er selbst glaubt’s nicht zu vermögen. Der aber — Eros heißt er schon bei Plutarch — treu bis zum Tod, stürzt sich lieber selber ins Schwert.
Da nimmt sich Anton ein Beispiel; aber er ist doch kein ganzer Römer mehr, es gelingt ihm nur, sich schwer zu verwunden; und da erfährt er, daß es eine falsche Botschaft gewesen, was ihn in die letzte Verzweiflung brachte; daß Cleopatra noch lebt! So läßt er sich zu ihr tragen.