Sie aber inzwischen: in welcher Not der Reue und Angst ist sie! Oh, was hat sie getan! Schon ehe er gebracht wird, weiß sie: diesmal hat sie in ihrer Angst die Saite zu stark gespannt. Er hält sie für tot! für so, um seinet-, um seines Zorns willen den Liebestod gestorben; das wird er, sowieso schon zum Äußersten gebracht, nicht überleben!
Rührend ist ihr Abschied; er stirbt im Kuß, wahrlich, kein Romeo! aber ein Mensch, ein Mann, ein Liebender trotz allem, ein Einziger — Marcus Antonius!
Sie aber fühlt sich neben diesem Leichnam, wie sie aus der Ohnmacht erwacht, die sie sofort umfangen hat, wie Asche: es rieselt wie Alter an ihr herab; der Königintraum, der Kaisertraum ist ausgeträumt; sie ist nichts Besseres als ein armes, schwaches Weib, eine Magd, die zurückgelassen ist: ihr Herr ist tot. Das Öl ist ausgebrannt.
Eine bessere Erkenntnis, als sie je gehabt, steigt jetzt in ihr auf, eine ganz nächtige, die Erkenntnis all derer, die der Macht und dem Genuß nachgetrachtet haben, deren innere Unbefriedigung, Ungenügsamkeit und Sucht an der Welt und an sich selber gefrevelt hat, die Erkenntnis, zu der auch jener so ganz andere, darin aber zum Kreis der Holden gehörige, der unholde Mann Macbeth gekommen ist: der Nihilismus; das Leben, das Leben ist — nichts.
Aus meinem öden Leid beginnt zu sprießen
Ein beßres Leben. Cäsar sein, wie nichtig!
Fortuna ist er nicht, nur Sklav’ Fortunens,
Ein Diener ihres Willens; aber groß ist’s,
Die Tat zu tun, die alles Tun beschließt,
Den Zufall bändigt und den Wechsel sperrt,