Sich schlafen legt und nie den Kot mehr kostet,
Der Bettler nährt und Cäsar.
Und doch — wahrlich, sie ist keine Julia! und auch nicht Portia, die Römerin — die Wetterwendische, das Kind des Augenblicks, das von ihrem Zentralen her schillernde Oberfläche ist, wie der Opal, dessen äußerer Schlangenhautglanz seine Tiefe ist, — wer weiß, ob sie nicht doch noch weiterleben könnte? Aber sie vernimmt, daß der kalte Octavius — der erste Imperator und Cäsar, über den sie keine Macht hat — nichts andres sinnt, als sie gefangen im Triumph nach Rom zu führen — und oh, das wäre das Schrecklichste für sie!
Die alberne, eiskalte Octavia, die angetraute Gattin ihres geliebten Toten, ihres Gemahls, soll höhnend auf sie blicken? Der jauchzende Pöbel in Rom soll ihr entgegenschreien? Auf der Vorstadtbühne soll irgend ein junger Schauspielerlaffe sie als Hure vom Nil darstellen? Nein. Nun ist’s aus; sie ist entschlossen. Unzählige Male hat sie ihrer Lebtag mit dem freigewählten Tod gespielt; das hat zu ihrem hingegebenen, krampfhaften Leben gehört. Jetzt wird’s Ernst. Längst kennt sie die sanfteste Todesart: in ihr schönstes Kleid läßt sie sich schmücken; sie gedenkt des Tages, wo sie Marc Anton auf dem Fluß strahlend als junge Liebesgöttin entgegenfuhr, — und dann, nun, wo sie tapfer frei in den Tod geht, ist sie nicht mehr die feige Sklavin, die in scheu geduckter Liebe zu ihrem Herrn, dem Gatten einer andern, emporsieht —
Ich komm’, Gemahl:
Jetzt gibt mein Mut mir Recht zu diesem Namen!
Ich bin ganz Feuer und Luft; was sonst in mir,
Geb’ ich dem niedern Leben.
„Was sonst in mir“, im Original aber: my other elements: das Element des Wassers, dem die tränenreiche Nixe vom Nil angehört hatte, das Element des Erdenkots, dem sie bis dahin nie hatte entrinnen können, die sollen nun mit ihrem Leichnam, der zurückbleibt, zu den Stoffen gehn, deren Teil sie von je gewesen waren; Cleopatra steigt in ihrem edlen leichten Teil, als Feuer und Luft, in ihre Ewigkeit.
Noch einmal haben wir hier der Sonettendichtung zu gedenken, wo der Dichter klagt, daß wir Menschenkinder nicht ganz und gar Geist sind, daß wir in die „dumpfe Substanz des Fleisches“ gestopft sind. Da wird auch von dem bittern Naß des Wassers und von der Erde gesprochen, von diesem Elementaren, das uns an die Natur klebt; unser Leib und unsre Tränen, das sind Erde und Wasser in uns. Die beiden andern Elemente aber, die Luft ist Geist in uns, und das Feuer ist desire, ist der Wille des Excelsior und himmlische Sehnsucht.