Das Schenkzimmer war vollgepfropft von Menschen und in der Mitte auf dem Boden lag mit zerschmettertem Schädel die Leiche des chilenischen Matrosen, den der Zulu auf seiner Flucht mit dem Knie vor die Stirn getroffen hatte.
Es sei nur eine Rauferei gewesen, wie sie fast täglich am Hafen stattfände, erklärte der Wirt ausweichend, als sich Swammerdam nach den näheren Umständen erkundigte.
„Der verdammte Nigger, der gestern — —“ fiel die Kellnerin Antje ein, aber sie kam nicht zu Ende: der Wirt versetzte ihr einen so heftigen Stoß in die Rippen, daß sie die Worte verschluckte, und schrie dazwischen: „Halt’s Maul, Drecksau! Ein schwarzer Heizer war’s von einem Brasilienfahrer, verstanden!“
Hauberrisser nahm einen der Strolche beiseite, drückte ihm ein Geldstück in die Hand und begann, ihn auszuforschen.
Bald umstand ihn eine ganze Rotte wilder Gestalten, die einander in gestenreichen Schilderungen überboten, wie sie den Neger zugerichtet haben wollten; — nur in einem Punkte waren sie vollständig einig, nämlich, daß es ein fremder Heizer gewesen sei. — Die warnende Miene des Wirtes hielt sie in Schach und sein lautes Räuspern ließ sie erraten, daß sie unter keinen Umständen Näheres aussagen dürften, was auf die Spur des Zulus hätte führen können. Sie wußten, daß der Wirt nicht den Finger gerührt haben würde, wenn es ihnen eingefallen wäre, einen noch so wertvollen Stammgast niederzustechen, — sie wußten aber auch, daß es das heiligste Gesetz der Hafenschenke war, sofort zum Feinde zu halten, wenn Gefahr von außen her drohte.
Ungeduldig hörte Hauberrisser den Prahlereien zu, bis plötzlich ein Wort fiel, das ihm alles Blut zum Herzen trieb: Antje erwähnte, der fremde Neger habe eine vornehme, junge Dame überfallen.
Er mußte sich einen Augenblick an Swammerdam halten, um nicht zusammenzubrechen, — dann leerte er seine Börse in die Hand der Kellnerin aus und forderte sie, unfähig einen Laut hervorzubringen, durch ein Zeichen auf, ihm den Hergang des Begebnisses zu schildern.
Man hätte Schreie einer Frauenstimme gehört und sei hinausgelaufen, riefen alle durcheinander; — „ich hab sie auf dem Schoß gehalten, sie war ohnmächtig,“ gellte Antje dazwischen.
„Aber wo ist sie, wo ist sie?“ schrie Hauberrisser auf.
Die Matrosen verstummten und sahen einander verblüfft an, als kämen sie jetzt erst zur Besinnung.