Keiner wußte, wo Eva geblieben war.
„Ich hab sie auf dem Schoß gehalten,“ beteuerte Antje immer wieder; man sah ihr an, daß sie selbst nicht die leiseste Ahnung hatte, wohin Eva verschwunden sein könnte.
Dann liefen sie alle hinaus, Hauberrisser und Swammerdam mitten unter ihnen, durchsuchten die Gassen, brüllten den Namen Eva, beleuchteten jeden Winkel im Kirchengarten.
„Dort hinauf ist er, der Nigger,“ erklärte die Kellnerin und deutete auf das grün glitzernde Dach, „und hier auf’m Pflaster hab ich sie liegen lassen, wie ich ihm auch hab nachwollen, und dann haben wir den Toten ins Haus gebracht und ich hab auf sie vergessen.“
Man weckte die Bewohner der umliegenden Häuser, ob Eva sich vielleicht in eins von ihnen geflüchtet habe; — Fenster rollten in die Höhe, Stimmen riefen herab, was geschehen sei. — Nirgends eine Spur der Vermißten.
Gebrochen an Leib und Seele versprach Hauberrisser jedem, der in seine Nähe kam, alles, was er sich nur wünsche, wenn man ihm eine einzige Nachricht über den Verbleib Eva’s brächte.
Vergebens suchte ihn Swammerdam zu beruhigen; der Gedanke, Eva könne aus Verzweiflung über das Geschehene — vielleicht in Geistesverwirrung ihrer nicht mehr mächtig — Selbstmord begangen und sich ins Wasser gestürzt haben, raubte ihm den letzten Rest klarer Besinnung.
Die Matrosen zerstreuten sich bis über die Prins Hendrik Kade die ganze Nieuwe Vaart entlang, — kehrten unverrichteter Dinge zurück.
Bald war das gesamte Hafenviertel auf den Beinen; Fischer, halbnackt noch, fuhren mit Bootslichtern umher, suchten die Quaimauern ab und versprachen, bei Tagesgrauen ihre Schleppnetze durch sämtliche Grachtmündungen zu ziehen.
Jeden Augenblick fürchtete Hauberrisser von der Kellnerin, die ihm unablässig in tausend Variationen erzählte, wie alles gekommen sei, zu erfahren, daß der Neger Eva vergewaltigt habe. Die Frage versengte ihm die Brust, und doch konnte er sich lange nicht entschließen, sie zu stellen.