Endlich überwand er sich und deutete stockend an, was er meinte.
Die Strolche, die ihn umstanden und mit gräßlichen Schwüren, sie würden den Nigger, sobald sie ihn erwischten, lebendig in Streifen schneiden, zu trösten versuchten, schwiegen sogleich — vermieden mitleidig seinen Blick, oder spuckten wortlos aus.
Antje schluchzte leise in sich hinein.
Sie war trotz eines Lebens in grauenhaftestem Schmutz immer noch Weib genug, um zu begreifen, was ihm das Herz zerriß.
Nur Swammerdam war gelassen und ruhig geblieben.
Der Ausdruck unerschütterlicher Zuversicht in seinen Mienen und die freundliche Geduld, mit der er immer wieder mild lächelnd den Kopf schüttelte, wenn Mutmaßungen laut wurden, Eva könne sich ertränkt haben, gaben Hauberrisser allmählich eine neue Hoffnung, und schließlich folgte er seinem Rat und ging, von ihm begleitet, zögernd nach Hause.
„Legen Sie sich jetzt zur Ruhe,“ redete ihm Swammerdam zu, als sie vor der Wohnung angelangt waren, „und nehmen Sie Ihre Sorgen nicht mit in den Schlaf hinüber. Wir können mehr tun mit unserer Seele, wenn der Körper sie mit seinem Kummer nicht mehr stört, als die Menschen ahnen. — Überlassen Sie mir, was noch im Äußern zu geschehen hat; ich werde die Polizei verständigen, damit sie nach Ihrer Braut sucht. — Trotzdem ich mir nichts davon verspreche, soll alles geschehen, was der nüchterne Verstand gebietet.“
Er hatte bereits unterwegs Hauberrisser behutsam auf andere Gedanken zu bringen getrachtet, und mit kurzen Worten war der junge Mann unter anderem auf die Tagebuchrolle und die damit verknüpften Pläne eines neuen Studiums zu sprechen gekommen, das jetzt wohl für lange Zeit, wenn nicht für immer, unterbrochen sei.
Swammerdam griff auf das Thema zurück, als er in Hauberrissers Gesicht die alte Verzweiflung wieder aufwachen sah. Er faßte seine Hand und ließ sie lange nicht los. — „Ich wünschte, ich könnte Ihnen von der Sicherheit geben, die ich Fräulein Eva’s wegen empfinde. Wenn Sie nur einen kleinen Teil davon hätten, würden Sie selbst wissen, was das Schicksal von Ihnen will, das Sie tun sollen, — so aber kann ich Ihnen nur raten. Ob Sie meinen Rat befolgen werden?“
„Verlassen Sie sich darauf,“ versprach Hauberrisser unwillkürlich erschüttert, denn Evas Worte in Hilversum fielen ihm ein, daß Swammerdam in seinem lebendigen Glauben auch das Höchste zu finden imstande sei; — „verlassen Sie sich darauf. Es geht von Ihnen eine Kraft aus, daß mir bisweilen zumute wird, als schütze mich ein tausendjähriger Baum vor dem Sturm. Jedes Wort, das Sie mir sagen, ist mir wie eine Hilfe.“