— „Garnalen, garnalen,“ dröhnte der Brummbaß eines Krabbenverkäufers an den Fenstern vorüber. „Banaantjes, banaantjes“, quietschte ein Weib dazwischen.

„Pe. Der ist doch blond! Und kurzgeschnittenen Schnurrbart. Zylinder. Pe.“ — Die Dame wurde immer wütender.

„Ich meine den Herrn neben ihm, Myfrouw; Sie können ihn von hier nicht sehen.“

Wie ein Jochgeier stürzte die Dame auf die beiden Herren los und überschüttete den Baron Pfeill, der mit betretener Miene aufstand und seinen Freund Fortunat Hauberrisser vorstellte, mit einem Hagel von Vorwürfen, daß sie ihn mindestens zwölfmal vergebens angeklingelt und schließlich in seiner Wohnung aufgesucht habe, ohne ihn anzutreffen, und das alles bloß, — „pe“ — weil er natürlich wieder mal nicht zu Hause gewesen sei. „Zu einer Zeit, wo jeder Mensch beide Hände voll zu tun hat, um den Frieden zu befestigen, Präsident Taft die nötigen Ratschläge zu geben, den Heimatsflüchtigen zuzureden, wieder an ihre Arbeit zu gehen, die internationale Prostitution zu unterbinden, dem Mädchenhandel zu steuern, Gesinnungsschwachen das moralische Rückgrat zu stählen und — Sammlungen von Flaschenstanniol für die Invaliden aller Völker einzuleiten“, schloß sie, empört ihre Pompadour aufreißend und mit einer seidenen Schnur wieder erdrosselnd, „ich dächte, da hat man zu Hause zu bleiben, statt — statt Schnaps zu trinken“. — Sie schoß einen bösartigen Blick auf die beiden dünnen Glasröhren, die, gefüllt mit einem regenbogenfarbigen Gemisch aus Likören, auf der marmornen Tischplatte standen.

„Frau Consul Germaine Rukstinat interessiert sich nämlich für — Wohltäterei“, erläuterte Baron Pfeill seinem Freunde, den Doppelsinn seiner Worte hinter der Maske scheinbar ungeschickt gewählter deutscher Ausdrücke verbergend; „sie ist der Geist, der stets bejaht und nur das Gute will — — wie Goethe sagt.“

„Na, wenn sie das nicht merkt!“ dachte Hauberrisser und blickte scheu nach der Furie, — zu seiner Überraschung lächelte sie bloß besänftigt — „Pfeill hat leider recht, die Menge kennt Goethe nicht nur nicht, sie verehrt ihn sogar; je falscher man ihn zitiert, desto tiefer fühlen sie sich in seinen Geist eingedrungen.“

„Ich finde, Myfrouw“, wandte sich Pfeill wieder an die Gnädige, „man überschätzt mich in Ihren Kreisen als — Philantropf. Mein Vorrat an Flaschenstanniol, der den Invaliden so mangelt, ist wesentlich geringer, als es den Anschein hat, und wenn ich auch — obwohl, ich versichere, unwissentlich — einmal in einen Mildherzigkeitsklub hineingetreten bin und mir infolgedessen der Geruch eines öffentlichen Samaritercharakters gewissermaßen anhaftet, so gebricht es mir leider doch an ausreichend stählernem Gesinnungsmark, um der internationalen Prostitution die Einnahmsquelle zu verstopfen, und ich möchte mich in dieser Hinsicht des Motto’s bedienen: Yoni soit, qui mal y pense. — Was ferner das Steuer des Mädchenhandels anbelangt, so fehlt es mir gänzlich an Beziehungen zu den leitenden Kapitänen dieser Organisation, denn ich hatte niemals Gelegenheit, die höheren Beamten der Sittenpolizei im Ausland — vertraulich kennen zu lernen.“

„Aber unbrauchbare Sachen für Kriegerwaisen werden Sie doch haben, Baron?“

„Ist denn die Nachfrage nach unbrauchbaren Sachen seitens der Kriegerwaisen so groß?“

Die Gnädige überhörte die spöttische Gegenfrage oder wollte sie überhören. „Ein paar Eintrittskarten für die große Redoute, die im Herbst stattfindet, müssen Sie aber zeichnen, Baron! Der vermutliche Nettoerlös, der im nächsten Frühjahr verrechnet wird, soll der Gesamtheit aller Kriegsbeschädigten zugute kommen. Es wird ein Aufsehen erregendes Fest werden, die Damen sämtlich maskiert, und die Herren, die mehr als fünf Eintrittskarten gelöst haben, bekommen den Barmherzigkeitsorden der Herzogin von Lusignan an den Frack.“