„Freilich, eine Redoute dieser Art bietet viel Reiz“, gab Baron Pfeill sinnend zu, „zumal bei derlei maskierten Wohltätigkeitstänzen oft im weit ausgreifenden Sinne der Nächstenliebe die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, und es den Reichen begreiflicherweise ein dauerndes Vergnügen bereiten muß, daß der Arme auf die große Abrechnung zu — warten hat, aber andererseits bin ich nicht Exhibitionist genug, um den Nachweis fünfmal öffentlich betätigten Mitgefühls aus dem Knopfloch heraushängen zu lassen. — Natürlich, wenn Frau Konsul darauf bestehen — — —“

„Kann ich also fünf Karten für Sie bereit halten?“

„Wenn ich bitten darf: nur vier, Myfrouw!“

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„Herr, gnädiger Herr, gnä-diger Herr Baron!“ hauchte eine Stimme, und eine winzige schmutzige Hand zupfte Baron Pfeill schüchtern am Ärmel. Als er sich umdrehte, sah er ein kleines, ärmlich gekleidetes Mädchen mit eingefallenen Wangen und weißen Lippen, das sich zwischen den Oleanderkübeln hindurch an ihn herangeschlichen hatte und ihm einen Brief hinhielt, vor sich stehen. Sofort wühlte er in seinen Taschen nach Kleingeld.

„Der Großvater draußen läßt sagen — — —“

„Wer bist du denn, Kind?“ fragte Pfeill halblaut.

„Der Großvater, der Schuster Klinkherbogk, läßt sagen, ich bin sein Kind“, verwirrte das Mädchen die Antwort mit dem Auftrag, den es überbringen sollte, „und der Herr Baron hat sich geirrt. Statt der zehn Gulden für die letzten Paar Schuhe waren tausend — — —“

Pfeill wurde blutrot, klapperte heftig mit seiner silbernen Zigarettendose auf den Tisch, um die Worte der Kleinen zu übertönen, und sagte laut und brüsk: „da hast du zwanzig Cents für den Weg“, mit milderem Ton hinzufügend, es sei schon alles recht — sie solle nur wieder nach Hause gehen und den Brief nicht verlieren.

Gleichsam als Antwort, daß das Kind nicht allein gekommen sei — der Sicherheit wegen von seinem Großvater begleitet, damit es auf dem Wege zum Kaffeehaus das Kuvert mit der Banknote nicht verlöre —, tauchte eine Sekunde lang zwischen den sich teilenden Efeustauden das totenblasse Gesicht eines alten Mannes auf, der augenscheinlich die letzten Sätze gehört hatte und vor Ergriffenheit unfähig, ein Wort hervorzubringen, mit schlotterndem Unterkiefer und gelähmter Zunge ein leises röchelndes Lallen ausstieß. — — —